Nachwort und Ausblick
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Talente in den Abgrund treibt! Gewiß fehlt es demgegenübernicht an berechtigtem Widerstand, an dem gebührenden Spott,auch in den Zeitungen und der Tagesliteratur. Aber die Epide-mie der Unsachlichkeit ist gleichwohl unbesiegt, und siescheint immer noch sich weiter auszubreiten.
Auch die alte Zwietracht zwischen Schule und Leben,zwischen Lehrern und Elternhaus, niemals ganz zu schlichten,zeigt gegenwärtig eine unerfreuliche Schärfe. Zu ihr gesellt sichneuerdings noch der Gegensatz, in den große Teile des Journalis-mus und der Künstlerschaft sich zu Dozenten und Lehre derUniversitäten stellten, allerdings nur insofern es sich um diephilosophischen und ganz besonders die historisch-philologischenFächer handelt. Wohl erklingt noch bei passender Gelegenheitin unseren Zeitungen das herkömmliche Preislied auf das Volkder Denker und Dichter. Aber mir scheint, die berufsmäßigenDenker und die berufsmäßigen Dichter und Schriftsteller sindaugenblicklich in Deutschland recht außer Fühlung. Gewiß,ein Teil der Schuld dieses Mißverhältnisses fällt der deutschenFachforschung zu, die lange über der vermehrten Spezialisierungund Kleinarbeit, übergeschichtlicher Stoffsammlung und Quellen-kritik, über literarhistorischer Parallelen- und Modelljagd, überLautmikrologie und Sprachstatistik die großen Gesichtspunkte,die Erkenntnis der allgemeinen geistigen Zusammenhänge undvor allem eine zusammenfassende lebendige Darstellung derForschungsergebnisse versäumte. Aber in all dem ist längsteine tiefgehende Wandlung eingetreten. Auf allen Gebietenhistorisch-philologischer Wissenschaft blüht seit zwei Jahr-zehnten ein neues Schaffen, das ins Weite und ins Freie blickt.Allerdings die reichsten Ernten haben bisher das griechischeAltertum und der alte Orient, die Prähistorie, die römisch-germanische Limesforschung und die Religionswissenschaft ge-borgen. Aber wie überall, so hat auch für die deutsche Philo-logie der Aufschwung in eine universellere, die engen Fach-grenzen erweiternde, an den Kern der Probleme dringendeArbeits- und Darstellungsweise angefangen, neue Früchte zuzeitigen. Die Klagen und Anklagen, die so oft erhoben werdengegen die Enge und Leere der germanistischen Methode, sindgerade heute weniger berechtigt als etwa vor zehn oderfünfzehn Jahren. Um so schmerzlicher müssen wir dieEntfremdung empfinden, die der nationalen Philologie weite