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Richtlinien
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Verwunderung oder Entrüstung erregte, darf heute, wenn auchnicht überall auf Zustimmung, sicher allgemein auf Verständ-nis rechnen. Hat inzwischen doch Bergson, als Modephilo-soph von Paris, den nämlichen Gedanken in ähnlicher Fassungzur Grundlage einer weit und tief greifenden Umwertung deswissenschaftlichen Denkens gemacht. Niemals hätte er denBau seiner blendenden Philosophie errichten können, wäre ihmnicht durch große deutsche Denker vorgearbeitet worden.Es unterliegt mir keinen Zweifel, daß in diesem Zusammen-hang an wichtiger, vielleicht gar an erster Stelle mein geliebter,unvergeßlicher Lehrer und väterlicher Freund Rudolf Hilde-brand zu nennen ist. Er hat wie niemand sonst mit leiden-schaftlicher Wärme und hinreißender Überzeugungskraft durchvielseitige philosophisch-historische, insbesondere auch sprach-und kulturgeschichtliche Begründung, obzwar nur aphoristischund andeutend, jahrzehntelang Bergsons umwälzende Leit-worte Leben, Anschauung, Gefühl in Schriften, Vor-lesungen, Gesprächen ausgegeben und damit die Heilmittelbezeichnet wider das Leiden einer Zeit, die zu erstarren drohtein den Banden begrifflichen Denkens, im Kultus des Buch-stabens und der Formel, in Überschätzung der Kritik und inAngst vor der oft mißbrauchten Vierheit Idee, Phantasie,Seele, Gemüt, die anderseits sich verlor in einer totes Materialhäufenden rohen Empirie und die in einer unheilvollen Täu-schung über die Schranken naturwissenschaftlicher Erkenntnisund über die Unzulänglichkeit rein verstandesmäßiger For-schung 1 ) den Göttinnen Statistik und Technik das ewig Mensch-liche opferte.
*) Allerdings hat neulich Richard M. Meyer die Annahme dieserEinwirkung Hildebrands auf den französischen Philosophen mit einemspöttischen „meinetwegen" nur als Vorahnung gelten lassen: DeutscheLiteraturzeitung 1913, 29. November, Sp. 3031 (Anzeige von ErichWestermann, Grundlinien der Welt- und Lebensanschauung RudolfHildebrands, Leipzig, Quelle u. Meyer, 1912). Persönliche und brieflicheBeziehungen französischer Gelehrter zu dem grübelnden LeipzigerGermanisten haben bestanden. Ich nenne nur Breal und Havet. Einemittelbare Wirkung Hildebrandscher Gedanken, aber auch eine un-mittelbare auf Bergson ist möglich. Von seinen deutschen Zunftgenossenfreilich wurde der Wörterbuch-Professor zeit seines Lebens — einzelneAusnahmen abgerechnet — wenig und jedenfalls längst nicht nach seinerBedeutung beachtet. Aber im Auslande hat man seine unvergänglichen