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1,1 (1925) Mittelalter
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Richtlinien

zu werden. Der Typus aus der dem 13. Jahrhundert gehörigenNovelleAucassin und Nicolete" (2, 34f.):II n'a si rice homeen France, se tu vix sa fille avoir quetunel'aies" ist auch demAltdeutschen geläufig. Er ist überhaupt altgermanisch. Aberer geht in Frankreich wie in Deutschland unter durch die Machtder lateinischen Kanzleiperiode. In dieser herrscht die Regel:der einem andern Nebensatz übergeordnete Nebensatz mußjenem, der ihm untergeordnet ist, ganz oder mit einem Teilvoranstehen. Die Nebensätze ersten, zweiten, dritten Gradesmüssen fortan in dieser ihrer logischen Anordnung aufeinanderfolgen. Und es wird dabei, gleichfalls nach dem Vorbild derlateinischen Kanzleiperiode, reicher Gebrauch gemacht vonder Teilung der Sätze, wodurch die allbekannte Ein sc ha ch-telung entsteht 1 ).

Das hieraus allmählich sich fixierende Schema der deutschenPeriode enthält folgende wichtigste Eigentümlichkeiten: 1. dieAnfangsstellung des Verbs im Hauptsatz, im' Altgermanischenund im Altdeutschen noch zulässig, wird auf Frage- und Wunsch-sätze (konjunktionslose Bedingungssätze) beschränkt, verpöntjedoch im Aussagesatz; 2. die Endstellung des Verbs wirdweit überwiegende Regel im Nebensatz, dagegen selten imHauptsatz; 3. die Auslassung des Hilfsverbs im zusammen-gesetzten Präteritum wird höchst beliebt; 4. typischer Schmuckder Rede sind zwei- und dreigliedrige Synonyma; 5. die einzelnenSatzarten werden durch feststehende, miteinander notwendigkorrespondierende Konjunktionen und Partikeln im Neben-satz und Hauptsatz äußerlich bezeichnet.

x ) Wilhelm Hertz übersetzt jenen altfranzösischen Satz folgender-maßen:Kein so mächtiger Mann lebt in Frankreich, dessen Tochterdu nicht haben kannst, wenn du sie begehrst." Das ist neuhochdeutscheSatzordnung: der Bedingungssatz ist vom Folgesatz (konsekutivenRelativsatz), dem Nebensatz ersten Grades, abhängig, muß diesemdaher als Nebensatz zweiten Grades folgen und an dritter Stelle stehen.Aber Hertz verfährt in seiner Übersetzung immerhin im Sinne derfreieren neuhochdeutschen Syntax. Nach der bis über die Mitte des18. Jahrhunderts allgemein verbindlichen, aber auch heute noch durch-aus eigentlich schulmäßigen, strengen Regel müßte es heißen:dessenTochter du, wenn du sie begehrst, nicht haben kannst" oder im genauerenAnschluß an das Original:Es gibt keinen so mächtigen Mann in Frank-reich, daß du nicht seine Tochter, wenn du sie begehrtest, haben könntest."