Nachwort und Ausblick
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breitenden Entwicklung ein fester Besitz geblieben. Aber vieltiefer greift ein anderer Gegensatz, der die neuhochdeutscheSchrift- und Gemeinsprache von der mittelhochdeutschentrennt: die Verschiedenheit ihrer Syntax.
Wort- und Satzstellung, der Aufbau der Periode in denmittelalterlichen nationalen Schriftsprachen nicht bloßDeutschlands, sondern ebenso auch Frankreichs waren inihrer Bewegungsfreiheit noch kaum beengt. Anschauung undGefühl bestimmten ihre Ordnung und gaben einen weitenSpielraum. Zwar wich die rein plastische Satzbildung, dieWorte und Sätze synthetisch in der Beihenfolge aneinander-fügt, in der die wiederzugebenden Sinneseindrücke auftreten,schon im Mittelalter zurück vor der analytischen Satzbildung,die Worte und Sätze nach den Stärkegraden der von ihnenvermittelten Gefühlseindrücke ordnet. Aber erst die moderneeuropäische Syntax führt das logische Prinzip ein. Ihm istdie neuhochdeutsche wie die neufranzösische und neuenglischeProsa unterworfen, mögen sie auch in Wort- und Satzstellungstark auseinandergehen. Die moderne Syntax stellt die Worteund Sätze nicht nebeneinander in der Reihenfolge der zugrundeliegenden Sinneseindrücke, auch nicht nach der Reihenfolge,in der diese sich zu Bildern der inneren Anschauung umsetzen.Sie ordnet sich vielmehr nach der Abstufung ihres ge-dankenmäßigen Verhältnisses. Sie folgt darin einemfesten Muster, das ihr in der lateinischen Periode vorlag.Aber nicht etwa in der lateinischen Periode des Altertums,die allerdings schon beträchtliche Ansätze zum logischen Satz-und Wortstellungsprinzip aufweist. Die seit dem Ende des11. Jahrhunderts von Italien aus in theoretischer und prak-tischer Pflege neu erblühende, kunstvoll und nach strenger'Regel entwickelte lateinische Kanzleisprache des aus-gehenden Mittelalters — sie ist es, wie meine Forschungenergeben haben, in der die moderne europäische Syntax, in derdie neuhochdeutsche Syntax wurzelt.
Im einzelnen bleibt hier freilich noch viel durch Sonder-untersuchung aufzuklären. Die Vorgänge, um die es sich handelt,spielen sich allmählich ab in mancherlei Schwankungen undWandlungen. Aber ein Hauptpunkt steht außer Zweifel: inder altfranzösischen wie in der altdeutschen Sprache brauchenvoneinander abhängige Nebensätze noch nicht logisch geordnet
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