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1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
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Nachwort und Ausblick

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Auch der gereifte Humanismus, der in seinem LateinCiceros Periodenbau zum Muster nahm, hat daran wenig ge-ändert. Allerdings sind von deutschschreibenden humanistischenSchriftstellern, besonders des 15. Jahrhunderts, weitere La-tinismen eingeführt: die Nachbildung des Accusativus cuminfinitivo und die Ausdehnung der Endstellung des Verbsauch auf den Hauptsatz. Beides hat lange nachgewirkt, istaber doch nicht eigentliches sprachliches Gemeingut geworden.

Langsam freilich nur hat das aus der lateinischen Kanzlei-periode entwickelte Schema der neuhochdeutschen, logischgebauten Periode sich durchgesetzt. Noch Luthers Prosa be-wahrte in weitem Umfang Reste der alten freien Satz-stellung ohne Rücksicht auf die logische Abhängigkeit. Dochzeigt auch sein Deutsch in stilistisch-syntaktischer Hinsichtstarke Einflüsse der Kanzleisprache.

Es würde zu weit führen, die im ganzen unbeträchtlichenVerschiebungen zu beleuchten, die im 17. Jahrhundert dieneue Renaissance-Literatur in deutscher Sprache unserer Satz-bildung gebracht hat. Opitz wie Gryphius und Lohensteinin ihrer Prosa schreiben sie nach dem überlieferten Perioden-schema der Kanzleisprache.

Die neuhochdeutsche Prosa bleibt in Wort- und Satz-stellung gebunden an das Schema, das sich aus der lateinischenKanzleiperiode seit dem 14. Jahrhundert entwickelt hatte.

Gottsched hat die gröbsten Auswüchse dieses erstarrtenOrganismus beseitigt, namentlich das Übermaß und den typi-schen Gebrauch der miteinander zwangsweise korrespon-dierenden, verschnörkelten Konjunktionen. Aber erst dieGeniezeit brach grundsätzlich mit dem Schema der herkömm-lichen Periode. Klopstock und Goethe sind die kühnsten undglücklichsten Erneuerer der deutschen Wort- und Satzstellung.Was sie bringen, ist sozusagen eine Wiedergeburt gewisserFreiheiten der germanischen Syntax. Freilieh war ihnen dasnicht bewußt. Denn von den Gesetzen der altdeutschen Spraehekannten sie nichts. Sie suchten unser Deutsch zu regenerierenaus allen Quellen natürlicher, ursprünglicher, leidenschaft-licher, poetischer Sprache, die sie fanden. Und da half ihnenwesentlich auch die Sprache der Bibel, deren hebräischeWortstellung Luther, namentlich in den Psalmen, vielfachmit feinem Takt bewahrt und zu feierlicher Wirkung benutzt

Burdiich, Vorspiel. 3