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1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
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Richtlinien

lands, abwelkte, seit der Mitte des 14. Jahrhunderts ein vomwerdenden Humanismus Italiens berührtes Zeitalter erreicht.Damals war aus dem Streben nach staatlicher Festigung undOrganisation, nach Einigung und Sicherung der Rechtspflege,nach Kodifizierung der vorhandenen rechtlichen Satzungenund Ordnungen, aus den Bedürfnissen des wachsenden schrift-lichen Verkehrs vor Gericht, in Amt und Geschäft und dessich ausbreitenden gelehrten Wissens eine neue Grund-legung der deutschen Schriftsprache hervorgegangen. Ab-seits von der Tradition der mittelhochdeutschen Sprachgestal-tung und fern von deren alten Schauplätzen im deutschenSüden und Westen erwuchs ein neuer deutscher Sprachtypusauf jungfräulichem Boden, in dem literarischer Tradition nochledigen ostmitteldeutschen Kolonialland. Unsere neuhoch-deutsche Schriftsprache ist ein Gewächs des deutschen Ostens,und auf ihre Anfänge fiel der Strahl der aufgehenden Renais-sance, die eine Verjüngung von Menschen und Welt, Kircheund Staat gewinnen wollte, indem sie sich vertiefte in die Ur-sprünge der christlichen Kultur, in das früheste Altertum derchristlichen Kirche und des christlichen Kaisertums, und dieals bestes Mittel hierzu den Humanismus betrachtete, d. h.das Studium des menschlichen, sittlichen und historischen Ge-halts der altrömischen Literatur, fast mehr aber noch die An-eignung der individuellen lateinischen Sprach- und Stilkunstder großen antiken Autoren. Keineswegs allerdings beschränktesich dabei dieser Humanismus, wie gemeinhin geglaubt wird,auf die Schriftsteller des heidnischen Altertums. Auch diegroßen christlichen Gestalter der lateinischen Sprache,Boethius etwa und namentlich die Kirchenväter Augustin undHieronymus, deren Ausdruckskraft noch zehrt von antikemErbe, blieben den Humanisten verehrteste Lehrer und Muster.Der neuhochdeutsche Sprachtypus, der in der PragerKanzlei des Luxemburgers Karl IV. durch seinen KanzlerJohann von Neumarkt zuerst festere Form erhielt und dasganze Königreich Böhmen (Böhmen, Mähren, Schlesien, Meißen)beherrschte, zeigt allbekannte Unterschiede von der mittel-hochdeutschen Literatursprache im Vokalismus (bayrisch-österreichische Diphthongierung, mitteldeutsche Monophthonge).Wie man weiß, sind sie der neuhochdeutschen Schriftsprachein ihrer fortschreitenden und sich über ganz Deutschland aus-