Nachwort und Ausblick
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such bekämpfte ich und entwarf demgegenüber das Bild einesdeutschen Sprachunterrichts der Zukunft. Für den hieß imJahre 1885 und heißt noch heute das erste Gebot: Lösungaus der überkommenen Schablone der lateinischenGrammatik. Und sein Ziel muß es insbesondere sein, Stilund Syntax unserer großen Dichter des 18. Jahrhunderts,z. B. ihre Wort- und Satzstellung, auf dem Hintergrundder älteren nationalen Sprachgewohnheit sehen zu lehren unddas Band aufzudecken, das die neue Beweglichkeit, die schein-baren „poetischen Licenzen" der durch Haller, Bodmer, Brei-tinger, durch Klopstock, Lessing, Wieland, durch Hamann,Herder, Goethe geschaffenen modernen Literatursprache ver-knüpft mit dem angestammten Sprachgebrauch, der in Mundartund Umgangssprache, in Volkslied, Kirchenlied und Märchen,in den zu erneuter Wirkung hervorgezogenen Schriften Luthersund Hans Sachsens als nationale Unterströmung dahin-floß und nun von jenen Bahnbrechern in die Höhe getriebenwurde.
Diese moderne deutsche Dichtersprache und die aus ihrbefruchtete moderne deutsche Prosa sind Ausdruck und Er-gebnis einer großen geistigen Befreiung unserer gesamtenBildung: der Befreiung von dem grammatisch-stilistischenBegulbuch Gottscheds und Adelungs. Aber dieses heute sogern verlästerte Begulbuch war selbst eine großartige Leistungvon unvergänglicher geschichtlicher Bedeutung gewesen. Esbereitete den Abschluß der deutschen Spracheinheit. Es wardas feste Dach über dem langwierigen Bau der neuhochdeutschenGemeinsprache. Ein gewaltiger Fortschritt also! Aber zugleichauch, was nicht genügend bekannt ist, ein starker Fortschrittzur Freiheit. Hatte doch Gottsched durch Anschluß andie Begel des französischen Klassizismus, an das Vorbild ver-nünftiger Klarheit und Flüssigkeit, wie es in Boileaus Sprach-kunst sich darstellt, jene härteren Fesseln gelockert, in dieseit vier Jahrhunderten das ungefüge Begulbuch der latei-nischen Periodenbildung unsere Sprache gelegt hatte.
Was in althochdeutscher Zeit nicht gelungen war, dashatte, als die mittelalterliche Kultur zerfiel, als Oberdeutsch-land die literarische Führung verlor und die mittelhochdeutscheLiteratursprache, d. h. die Kunstdichtung der ritterlichen Höfeund die Kunstprosa der großen Prediger West- und Süddeutsch-
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