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dürften die modernen Völker erst eines nationalen Unglücks,um sich auf den Weg der nationalen Erziehung weisen zu lassen,und wäre auch uns ein zweites Jena nötig, ehe wir Einkehrin uns selbst hielten. Wer will es sagen? Hoffen wir, daß ohnesolche Prüfungen die deutsche Schule jene neue, längst vor-bereitete Grundlage gewinne, daß sie unter freundlichemHimmel eine Lehrerin der nationalen Ethik werde.
Dann, wenn der seit den Tagen Mosers, Herders, Goethes,Arndts, Fichtes, Uhlands und Grimms stetig emporsteigendeSchatz eines nationalen Charakters soweit in die Höhe gerücktist, daß zu rechter Stunde die rechten Kräfte ihn heben können:dann wird man uns rufen, dann seien wir zur Stelle lauterenHerzens und mit reinen Händen, dann mögen alle wissenschaft-lichen Gegensätze schweigen, dann wird es an uns sein zuzeigen, ob wir es verstehen, die Erträge der Vergangenheitunseres Volkes für seine Zukunft nutzbar zu machen.
Halle a. S., im Juni 1885.
NACHWORT UND AUSBLICK.
Die vorstehenden Betrachtungen aus dem Jahre 1885, zuderen Inhalt ich mich in allem Wesentlichen auch heute be-kenne 1 ), sollten die Summe ziehen aus einer ins einzelne gehendenUntersuchung über die Methode des deutschen Sprachunter-richts. In Österreich war damals versucht worden, im Gym-nasium die Aneignung konkreter Kenntnis des Mittelhoch-deutschen und ein auf Anschauung, d. h. auf Lesung alt-deutscher Dichtung und Prosa, gegründetes Erfassen der ge-schichtlichen Entwicklung unserer Muttersprache zu ersetzendurch Sprachpsychologie und Sprachphysiologie, die an demBeispiel der deutschen Sprache, aber lediglich aus neuhoch-deutschem Sprachstoff gelehrt werden sollten. Diesen Ver-
*) Die Polemik würde ich allerdings nicht mehr mit dem gleichenjugendlichen Ungestüm führen. Der schärfste Ausdruck, das Urteilüber den damaligen neuen Lehrplan für den deutschen Unterricht inPreußen (oben S. 26), hatte übrigens schon für den ersten Abdruckwährend der Korrektur gemildert werden sollen. Die Änderung kamaber durch ein Mißverständnis zu spät. Jetzt habe ich sie vollzogen.