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1,1 (1925) Mittelalter
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Richtlinien

rieht niemals gedeihen. Um so stärker wird einst die Reaktionsein gegen die in seiner Beseitigung sich kundgebende Ein-seitigkeit und Kurzsichtigkeit.

Gewaltakte pflegen nicht lange vorhaltende Zustände zuschaffen, und der neue Lehrplan, soweit er den deutschenUnterricht trifft, ist nicht viel mehr als ein bureaukratischerGewaltakt. Wenigstens eine Enquete oder etwas dem Ähn-liches ist ihm meines Wissens nicht vorhergegangen, Autori-täten oder Fachleute scheinen nicht um ihre Meinung befragtworden zu sein und sachliche Gründe sind gegen das Mittel-hochdeutsche auf der Schule nirgends vorgebracht wordenam wenigsten in dem beinahe fanatischen Aufsatze von Wil-manns in der Zeitschr. für das Gymnasialwesen von 1875(S. 31 ff.), höchstens einige Einwendungen und Bedenkenaus Opportunitätsrücksichten. Unter den Schulmännernmehren sich die Stimmen, welche die Wiedereinführung desMittelhochdeutschen empfehlen. Vor allem ist dafür ein leben-diges Zeugnis die Annahme der Stierschen Thesen seitens derpädagogischen Sektion der letzten Philologenversammlung inDessau (vgl. den Bericht in der Zeitschr. für das Gymnasial-wesen Bd. 39 (1885) S. 201 ff.). Auch Äußerungen so erfahrenerPädagogen wie Oscar Jäger 1 ) und Eckstein fallen schwer insGewicht.

x ) Folgende Worte dieses hochverdienten Mannes, dem wohlniemand reiche Sachkenntnis und Liebe zum klassischen Altertumabsprechen wird, mögen hier einen Platz finden:Das ist doch dasunwissenschaftlichste von allem, daß Gymnasialschüler, welche denHomer im Urtexte lesen, vom Nibelungenlied nur ein quidproquo, eineÜbersetzung kennen lernen. Dies ist ein, sagen wir es nur geradeheraus, ganz unerträglicher Gedanke, und wir glaubennicht, daß eine Regierung in Deutsehland mächtig genugist, es durchzuführen. Ist es denkbar, daß unsere Gymnasial-schüler, welche den christlichen Adel deutscher Nation zu bilden be-stimmt sind daß unsere künftigen Theologen, Ärzte, Richter, Lehrerusw. ihre eigene Sprache nur in ihrer gegenwärtigen Ausprägung kennensollen ? Und zu Übersetzungen greifen müssen, um eine ungefähre Vor-stellung von der Eigentümlichkeit der Literatur des 13. Jahrhundertszu gewinnen '! ... Im übrigen ist zwischen Wissenschaft und Wissen-schaft ein Unterschied: es gibt Fächer, wo die Wissenschaft zwar nichtan der Schwelle zurückbleiben soll, denn Wissenschaft ist uns identischmit Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, und diese soll überallmit dabei sein, wo sie aber allerdings eine ganz andere Gestalt hat