Über deutsche Erziehung
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Der Widerwille der meisten Schüler gegen die auf derSchule behandelten klassischen Schriftsteller ist zum großenTeil ein natürlicher Rückschlag gegen die dort gepflegte über-triebene Bewunderung. Die Jugend gerade hat für jede Un-wahrheit ein feines Gefühl: wo sie diese spürt, wendet sie sichleicht mit instinktiver Abneigung weg und wird für Schönheitenunempfänglich, die, gerecht und unbefangen gewürdigt, ihrwohl sympathisch sein würden.
Stimme ich also schließlich der Meinung zu, die Paulsenneulich in seinem geistvollen Buche 'Geschichte des gelehrtenUnterrichts' ausgesprochen hat? Suche auch ich die Rettungdes Gymnasiums nur in der Beseitigung des klassischen Unter-richts ?
Keineswegs. Die Lektüre der hellenischen Meisterwerkein der Ursprache, daneben einiger lateinischer Schriftsteller,den grammatischen Unterricht in der griechischen sowie denaus mehr äußeren Gründen unentbehrlichen in der lateinischenSprache wird das Gymnasium, soll es nicht zu einer Schulevon Banausen für Banausen herabsinken, niemals missenkönnen. Aber das Rückgrat des gymnasialen Unterrichtswerden diese Studien nicht mehr lange bleiben. Die lateinischeTrainierschule ist dank den Bemühungen von Männern wieWolf, Voß, Wilhelm v. Humboldt in die griechische Idealschulegewandelt worden. Jetzt, da wir aus einem literarisch-ästhe-tischen ein handelndes, aus einem rückwärts gewandten einvorwärts schreitendes Volk, da wir eine Nation gewordensind, muß das Ziel sein: das nationale Gymnasium.
In diesem Gymnasium der Zukunft wird der deutsche Unter-richt nicht mehr das verachtete Aschenbrödel sein, sonderner wird neben dem griechischen und lateinischen einen eben-bürtigen Rang behaupten. Und in diesem deutschen Unter-richt, dessen Ziel freilich nicht formale Bildung sein kann,wird auch das deutsche Altertum begriffen sein. Dann erweistsich vielleicht auch der Umstand als ein Segen, daß gegen-wärtig durch den neuen Lehrplan von 1882 das Mittelhoch-deutsche aus den preußischen Gymnasien ausgeschlossen ist.Die jetzige Art seines Betriebes war doch vielleicht noch nichtdie rechte, und auf der schmalen Basis des einjährigen Kursusmit zwei wöchentlichen Stunden konnte der altdeutsche Unter-