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1,1 (1925) Mittelalter
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Richtlinien

allein die Sonne golden scheint und allein alle menschlicheUnvollkommenheit und Bedürftigkeit aufgelöst ist in reineHarmonie: es ist uns, die wir so viel geschichtlicher ge-worden sind als das 18. Jahrhundert, eine eigentümliche Er-scheinung in der allgemeinen menschlichen Entwicklung wiejede andere, erwachsen unter bestimmten individuellen, soniemals wiederkehrenden Verhältnissen, herrlich und groß zwar,aber nicht schlechthin Vorbild, weil wir gelernt haben, daßnur die naturgemäße Ausbildung der eigenen An-lagen, niemals aber die künstliche Nachahmung fremder, nochso vollkommener Leistungen, die auf anderem Boden, unteranderem Himmel gewachsen sind, die Gewähr bietet für Ge-sundheit und dauerndes Leben einer Nation. Wir wissen, einewiges Ideal ist nie und nirgends in die geschichtliche Erschei-nung getreten, auch nicht in dem Volke der alten Hellenen;wir suchen nicht das Absolute, wir sind überzeugte Belativisten,d. h. wir erkennen, daß alle Größe verhältnismäßig und indi-viduell ist, daß sie beruht auf der natürlichen und harmonischenEntfaltung angeborener und durch Bildung beeinflußter, indi-vidueller Kräfte. Wir sind der kindlichen Meinung ledig, dienach der Schulstube riecht, als sei durch Nachahmung fremderGröße die eigene zu erzeugen: wir achten das Geheimnisder Individualität, ihre unendliche Vielheit undihre Unnachahmlichkeit, als das unverbrüchlicheGrundgesetz aller Entwicklung. Wir haben unserenBlick gereinigt von der Trübung, die ihm die Leidenschaft derLiebe und des Hasses bereitet: wir beten nicht mehr das Mittel-alter an als das verlorene goldene Zeitalter und wollen es nichtwieder zurückrufen, wie jene Richtung aus dem Anfange unseresJahrhunderts wollte, die xar' egoxrjv dieromantische" heißt,aber wir kehren uns auch von der Anschauung ab, die ich dieRomantik des Hellenismus" nenne, wonach das Altertumewiges Ideal und Muster für das moderne Leben bleiben undin ihm wiedergeboren werden soll.

Diese, Romantik des Hellenismus ist nicht mehrlebensfähig. Das Unglück des Gymnasiums aber ist, daß siein ihm noch als galvanisierte Leiche sich aufhält und diefrische Luft für unbefangene, freie Hingabe an alles Schöneund Große, wo es immer die liebe Gotteswelt hervorgebrachthat, verdirbt.

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