Über deutsche Erziehung
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und Pietät, über die Roheit des Herzens, alles gerade in den„gebildeten" Kreisen, und demgegenüber zwar im Dunkel derZukunft, aber vielleicht doch näher, als wir ahnen, das lauerndeGespenst der sozialen Revolution.
Vor ein paar Jahren hat der Reichskanzler einmal geäußert,nach der politischen Einigung und Festigung Deutschlandsmüßten jetzt alle Patrioten an unserer „inneren nationalenWiedergeburt" arbeiten.
Der Schule, die über allen Parteien steht, fällt dabei dieHauptaufgabe zu; denn wirksamer als Zölle und wirtschaft-liche Reformen dürften sich dabei wohl Reformen der Menschenerweisen, die einzig die Schule durchsetzen könnte. Die Re-form kann aber nur von oben anfangen, und deshalb muß dasGymnasium vorangehen.
Das Gymnasium entbehrt augenblicklich des lebendigen,Wärme ausstrahlenden Mittelpunkts. Der klassischeUnterricht war einst dieser Mittelpunkt, aber die Zeiten, daWinckelmann und Goethe lieber Hellenen sein mochten alsDeutsche, da Hölderlin durch den Zwiespalt, ein Deutscherzu sein und Grieche sein zu wollen, wahnsinnig wurde, sindvorüber. Eine Persönlichkeit wie K. Lehrs, der sich unter demnordischen Himmel und zwischen den häßlichen Ostpreußenso unglücklich fühlte (vgl. seinen Rriefwechsel mit Herrnv. Farenheid), obwohl er selbst einer der häßlichsten war, istvielleicht der letzte Apostel der Griechenschwärmerei gewesen,der letzte Romantiker des Hellenismus, und auch er schonstand einsam da und fühlte das. Der Kultus des Griechentumskann uns nicht mehr Religion sein, wie er es ihm, wie er esSchiller war, als er die Götter Griechenlands dichtete. Ver-geblich müht man sich, diesen Geist in unserem Gymnasiumam Leben zu erhalten. Was bei Lehrs und seinen Sinnesgenossenschöner Enthusiasmus einer genialen Natur war, wird, wounsere Schulmänner es nachäffen, philisterhafte Affektation,der hohe Glaube jener großen Seelen wird in der Praxis verzerrtzu dem trivialen Dogma eines schalen Verstandes, das unwahrist, weil ihm der lebendige Halt einer alldurchdringenden Be-geisterung mangelt.
Das Altertum kann uns in Wahrheit heute nicht mehr dieideale Welt voll göttlicher, fleckenloser Schönheit sein, wo