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1,1 (1925) Mittelalter
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den staunenden Zeitgenossen vor Auge gestellt hatte. Sie teiltemit der Romantik die unendliche Hochschätzung der Poesie.als mächtigen Faktors des Lebens.

Die Poesie in deutscher Sprache war und blieb daherMittelpunkt; Jacob Grimm hatte auch das deutsche Recht unddie deutsche Mythologie umfaßt. Bei seinen Nachfolgern über-wog aber unter dem übermächtigen Einfluß des WortphilologenLachmann wieder das Interesse an der Dichtung. Die seitScherers 'Zur Geschichte der deutschen Sprache' 1868 auf-blühende streng genetische deutsche Grammatik mit lingu-istischer Färbung, deren glänzendste Vertreter der DäneKarl Verner, ferner die Deutschen Amelung, Mahlow, Braune,Paul, Sievers, Möller sind, bestärkte die Neigung, die mittel-alterliche Literatur allein so weit zu berücksichtigen, als sie indeutsche Sprache gekleidet war, steigerte das Interesse anden formalen Elementen der deutschen Kultur und drängte dieTeilnahme für die sogenannten Realien, für Recht, Sitte, Kunstund Altertümer zurück.

Darin liegt nun eine große Schwäche. Die deutsche Literaturdes Mittelalters ist nur ein winziger Bruchteil der gesamtenLiteratur Deutschlands während dieser Zeit. Die Sprache derBildung, der Kirche, der Wissenschaft, des diplomatischen Ver-kehrs, des Rechts war die lateinische. Die deutsche Poesiesteht von ihren ersten uns bekannten Spuren an (seit dem8. Jahrhundert) fortgesetzt unter den Bann der überlegenenererbten lateinischen Kultur und Sprache, lange Zeit auch unterdem der französischen.

Hat die deutsche Philologie als die Geschichte der nationalenBildung unseres Volkes die Aufgabe, die heimischen Bestandteileder mittelalterlichen Kultur herauszuschälen und sie in ihrerEntwicklung, in ihrem Zusammenhang mit den Grundlagenunseres Volkes aufzudecken, so muß sie, um das Autochthonezu erkennen, doch auch über das Importierte einen klarenÜberblick haben.

Diese Erkenntnis bricht seit einigen Jahren in germa-nistischen Kreisen allgemein durch. Doch ist sie noch langenicht Allgemeingut geworden und erst von wenigen durch dieTat bekräftigt.

Ferner aber, die germanistische Wissenschaft behandeltimmer noch gern die Poesie als ein isoliertes Lebensgebiet.