Vorlesung über Walther von der Vogelweide
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mäßige Verteilung der Arbeit an mehrere zu organisieren, sobraucht er Gehilfen und Genossen der Arbeit, die er am passend-sten allein sich selbst heranziehen und ausbilden wird. Aberer braucht auch ein vorbereitetes Publikum, das fähig ist,die dargebotenen wissenschaftlichen Arbeiten zu empfangenund zu nutzen.
Und dies ist das eigentliche Motiv der gegenwärtigen Vor-lesung über Walther von der Vogelweide.
Eine Geschichte der deutschen Sprache kann nicht ge-schrieben werden, ohne daß man den Einfluß der großen deut-schen Dichter auf sie, ohne daß man die sprachschöpfende undsprachbildende Kraft dieser Dichter zur Anschauung bringt.
Mein erster Versuch wissenschaftlicher Arbeit, mit demich vor 22 Jahren an die Öffentlichkeit trat, trachtete danach,die künstlerische Entwicklung Walthers an der Entwicklungseiner sprachlich-stilistischen Kunstmittel zu erfassen und dar-zustellen. Mein letztes größeres wissenschaftliches Werk,dessen erster Teil vor zwei Jahren erschienen ist, will ein bio-graphisches Vollbild Walthers geben auf dem Hintergrund dergesamten Geistesbewegung seines Zeitalters.
In diesen Vorlesungen will ich versuchen, das Interesse,welches ich bei Ihnen für den Dichter bereits voraussetzendarf, zu steigern und zu vertiefen zu einem innigeren, herz-licheren Verhältnis seiner Person und Dichtung gegenüber.Ich will Ihnen den Sänger nahe bringen als unübertroffenenMeister unserer herrlichen geliebten Muttersprache, als dengrößten Künstler des deutschen Liedes vor Goethe, als denvon keinem erreichten poetischen Wortführer des nationalenGewissens.
Ich will die prachtvolle Persönlichkeit Walthers so deutlich,so greifbar vor Sie hinstellen, als es mir nach jahrzehntelangemtreuem Verkehr mit ihm, nach hingebender Vertiefung in seineDichtung und in seine Zeit möglich ist: er soll zu Ihnen redenwie ein Gegenwärtiger, als ob er lebte, aber in seinem echteneigenen Sinn, in der vollen Wahrheit seiner geschichtlichenExistenz.
Ich will ohne alle gelehrten Allüren, ohne Ihnen fach-wissenschaftliche Kenntnisse zuzumuten oder aufzudrängen,Ihnen die schönsten Gedichte unseres Freundes vertrautinachen auch in ihrem ursprünglichen Klang, in dem Wort-
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