Ehrenmitglieder nicht von der Entrichtung des jährlichen, 2 Tlr. P. C. betragendenBeitrags befreit waren. Einen interessanten Passus enthält § 14, der von denÜbungen handelt, die übrigens damals auch schon Montags (von 6—9 Uhr) statt-fanden. Es heißt darin: „Die Übungen gehen unausgesetzt fort; doch ist die Direktionbefugt, im Falle dringender Notwendigkeit die Übungen bis auf 4 Wochen auszu-setzen." (!) Welche Anlässe ein Aussetzen der Proben berechtigt erscheinenlassen durften, ist leider nicht gesagt. Ferner lautet § 14: „Es sollen von Zeit zuZeit außerordentliche Übungen veranstaltet werden, zu welchen allen Mitgliedernfür ihre häuslichen Angehörigen die Einführung frei steht." Wenn man auchannehmen darf, daß diese „außerordentlichen Übungen" mehr der Unterhaltung alsernstem Musizieren gewidmet waren, so läßt doch immerhin diese Einrichtungerfreulicherweise auf ein gewisses Interesse an den Proben von Seiten des Publikumsschließen. Nun schweigt die Chronik bis zum Jahre
1853, das am 10., 11. und 12. September den Mülheimer Musikfreunden dasvom „Ruhr-Sängerbund" veranstaltete 1. Gesangfest brachte. Eine große Zahl vonMännerchören aus nah und fern (sogar aus Hattingen und Langenberg) hatte sicheingefunden, um in Einzel- und Gesamtchören Zeugnis ihres rastlosen Strebensabzulegen. Auch der „Frohsinn" war mit 24 Sängern beteiligt. Der Empfang derauswärtigen Sänger fand im „Stockfisch" zu Broich statt, die Aufführungen in der„Tonhalle". 1 ) Die Programme für die beiden Tage bestanden naturgemäß ausMännerchören, die mit Ouvertüren für Orchester (vom 13. Inf.-Regt. gestellt)abwechselten. Die Haupt-Nr.: Dithyrambe v. Schiller-Rietz wurde von HerrnMusikdirektor H. Engels, der sich im August 1853 in Mülheim niedergelassenhatte, dirigiert. Mit diesem Jahre beginnt also die an Verdiensten so reiche TätigkeitEngels'. Wie er es verstanden hat, den Gesangverein aus kleinen Verhältnissenzu fördern und zu heben, wie es ihm gelungen ist, durch unermüdlichen Eifer undwarme Hingebung das vorzugsweise aus Dilettanten bestehende Orchester heranzu-bilden und in den Dienst des Vereins zu stellen, das ist noch in dankbarer Erinnerungso vieler, als daß es an diesem Orte auf Grund der spärlichen Funde aus demAktenmaterial des Gesangvereins nachzuweisen für notwendig befunden würde.Wir gelangen nun zum Jahre
1855, das wieder ein Statut aufweist, welches sich im wesentlichen von demoben genannten nicht unterscheidet. Das nächste musikalische Lebenszeichen istein Programm aus dem Jahre
1865. Die Haupt-Nummer desselben besteht in den ersten 6 Nummern aus „DieMartinswand" von A. zur Nieden, Musikdir. in Duisburg, einem „lyrisch-dramatischenGesang" für Soli, Chor und Orchester. Am 28. Januar
1868 finden wir das 3. Abonn.-Konzert des Gesangvereins und der EssenerKapelle verzeichnet. Programm: Schön Ellen von Bruch, Sinfonie in C-Dur vonMozart und Fantasie von Beethoven. Wer letztere gespielt hat, davon schweigtdes Sängers — Unhöflichkeit. Ohne Zweifel waren damals die Solisten nochbescheidener als heute!' 2 )
1869. Am Sonnabend, 28. August fand in einem Konzert des Gesangvereinsunter Mitwirkung eines Männerchors, „des gesamten Orchesters von Düsseldorf und
•) Tonhalle von Carl Güldenberg (jetzt „Unser Fritz".) Schade um den stolzen Namen!2 ) Die Solopartien wurden übrigens damals vielfach von Dilettanten, Schülern und Schülerinnendes Musikdirektors Engels, ausgeführt.
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