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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
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Post-, Telegraphen- und Fernsprechwesen.

Vorgeschichte bis zur Einrichtung der Postanstalt.

m westfälischen Frieden war den deutschen Reichsfürsten die völligeLandeshoheit zuerkannt worden. Damit hatten sie auch die Post-hoheit erlangt, d. h. das Recht, in ihren Ländern uneingeschränkt undohne Rücksicht auf bestehende Reichspost - Einrichtungen eigenepostalische Einrichtungen zu treffen. Dieses Recht, seit Jahren eineQuelle von Streitigkeiten zwischen den Fürsten, war dem Kurfürsten"riedrich Wilhelm von Brandenburg im Jahre 1666 vom deutschen Kaiser ausdrücklichbestätigt worden. Mit staatsmännischem Blick hatte der große Kurfürst die Bedeutungund den Wert eines geordneten Postwesens sowohl für den Staat als auch für Handelund Verkehr erkannt. Schon in dem auf den Friedensschluß folgenden Jahre 1649.ordnete er an, daß Verwaltung und Betrieb des Postwesens, das bis dahin teils vonPrivatpersonen, teils von einzelnen Städten, teils von der damit belehnten FamilieThurn und Taxis ausgeübt worden war, vom Staate übernommen werden sollte.Dem großen Kurfürsten verdanken auch die Orte am Niederrhein die Einrichtung einesgeordneten staatlichen Postbetriebes. Wenige Jahre nach seinem Regierungsantritt 1646 hatte er die erste Brandenburgische Post von Berlin über Osnabrück nachMünster eingerichtet. Im Jahre 1650 rief er als Fortsetzung dieser Linie eine Reitpostins Leben, die den Westen des brandenburgischen Besitzes mit dem Osten verbandund von Cleve bis Königsberg führte. Diese Post verkehrte anfangs nur einmal,später zweimal wöchentlich. Von den Kursstationen aus wurden die Sendungen nacheinzelnen abseits gelegenen Nachbarorten durch Fußboten oder reitende Boten weiter-befördert. Im Jahre 1675 erhielt der Fuhrunternehmer Johann Maurenbrecher inDüsseldorf die Erlaubnis, wöchentlich einen Postwagen zollfrei von Düsseldorf überXantenCleve nach Nymwegen laufen zu lassen. Damit war eine wichtige Ver-bindung mit Holland geschaffen. Für die Orte am Niederrhein war auch die imJahre 1692 eingerichtete Fahrpost von Halberstadt über Minden, Bielefeld, Hamm,Wesel nach Cleve von Bedeutung, ferner die am 11. August 1712 dem PostmeisterKreyen in Wesel und seinen beiden Vettern, Johann und Dietrich Maurenbrecher inDüsseldorf, konzessionierte Fahrpost von Düsseldorf über DuisburgDinslaken nachWesel, die vom Mai 1781 wöchentlich zweimal verkehrte. Neben diesen größerenPostkursen bestanden am Niederrhein und im benachbarten Westfalen noch einigekleinere. Außerdem hatten die größeren Ortschaften zu jener Zeit zur Unterhaltungund Belebung ihrer geschäftlichen Beziehungen nach den Nachbarorten private Botenangestellt, die den Postverkehr zu vermitteln hatten. So wurden z. B. seit dem Jahre 1698

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