Der Generalanzeiger gibt in diesem Sinne seit einigen Jahren ein besonderesBeiblatt — Die Vaterstädtischen Blätter — heraus. Auch die Mülheimer Zeitungwidmet der Dialektdichtung in der Samstagsnummer ein ganzes Feuilleton. DieVerfasser schreiben unter allen möglichen Namen.
Aber nicht nur die Presse, auch der Mülheim er Waldverein und der imJahre 1906 gegründete Geschichtsverein Mülheim a. d. Ruhr haben sich diePflege der Heimatkunde zum Ziel gesetzt. Durch Vorträge, Veranstaltung gemein-schaftlicher Ausflüge sowie durch Festfeiern, die sich an alte Mülheimer Gebräucheanschließen, sucht die Abteilung für Heimatkunde des Mülheimer Waldvereins dieLiebe zur Heimat zu stärken. Der Mülheimer Geschichtsverein gibt seit Dezember1906 eine eigene Zeitschrift heraus.
Ein Stadttheater besitzt Mülheim leider nicht. Bis vor einigen Jahren nochtauchte in Mülheim nur ab und zu eine Theatergesellschaft auf und gastiertein verschiedenen Lokalen, so gut oder so schlecht es ihr den Umständen nachmöglich war. Es ist daher mit Freuden zu begrüßen, daß Herr Alb. Mentzen eingutes, wenn auch für großstädtische Verhältnisse kleines Theater, die Centralhalle,eröffnet hat. Die Schauspieler, die bisher in der Centralhalle auftraten, leistetenAnerkennenswertes, dazu sind die Preise so gestellt, daß sie auch für Minderbemitteltenicht unerschwinglich sind. — Wenn das Theater früher als Bildungsstätte fürnur wenige Mülheimer in Frage kam, so bemühte man sich durch Lesevereine undLesekränzchen den Mangel zu ersetzen. Freunde guter Literatur fanden sich regel-mäßig im Winter zu Leseabenden zusammen und lasen Gedichte oderDramen, letztere mit verteilten Rollen. Vorbildlich für diese Vereine war der vondem Lehrer Klingenburg in Ickten vor mehr als 50 Jahren gegründete Leseverein,dem Palleske in seiner „Kunst des Vortrages" ein Denkmal setzt. Auch heutebesteht bei uns ein Verein dieser Art, der „Verein für Kunst und Literatur".
Musik.
Wer die Aufgabe gestellt bekommt, über die Entwicklung des musikalischenLebens und Treibens in Mülheim zu berichten, wird seinen Blick in erster Liniedem „Gesangverein" und der Geschichte seines Wirkens zuwenden. Leider istnun das zur Verfügung stehende Material so dürftig und lückenhaft, daß derChronist, will er nicht von der Wahrheit zur „Dichtung" schreiten, in nicht geringeVerlegenheit versetzt wird. Erst von dem Jahre 1880 an ist das Programm-Materialziemlich lückenlos und gestattet einen Überblick über die allmähliche Entwicklungdes Vereins und des musikalischen Lebens überhaupt. Niemand vermag zu sagen,in welches Jahr die Entstehung des Gesangvereins fällt. Das älteste Dokument istein Statut aus dem Jahre
1839. Von der Gründung des Gesangvereins ist darin nicht die Rede, es kannalso wohl daraus geschlossen werden, daß er schon vorher existiert hat. Die„Direktion" bestand damals aus dem Dirigenten und 2 ordentlichen männlichenMitgliedern, von welchen einer das Amt eines Kassierers zu versehen hatte. Aller-dings war auch damals schon dafür gesorgt, daß die Interessen der weiblichenMitglieder durch einen aus 3 Damen bestehenden Damenvorstand genügend gewahrtwurden. § 9 unterscheidet ordentliche, außerordentliche und Ehrenmitglieder. Letzterewaren, ohne tätig mitzuwirken, berechtigt, den Übungen beizuwohnen. DieseVergünstigung war wohl nicht ohne finanziellen Hintergrund, wie denn auch die
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