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Zeiten der Fremdherrschaft in Mülheim an der Ruhr.
n den letzten Jahren bergischer Selbständigkeit merkt man nichtgerade, daß große Dinge in der Welt vorgehen, in der Welt imWesten jenseits des Rheins. Das Jahr 1792, das Gründungsjahrder französischen Republik, ist für das Bergische Land durch ein ganzanderes Ereignis ausgezeichnet: durch das 50jährige Regierungs-jubiläum seines Gebieters, des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern. Dort drüben der Zusammenbruch der alten Ordnungen und der altenDynastie in wenigen Wochen schrecklichen Todeskampfes, hier der befriedigteRückblick auf scheinbar unerschütterliche Verhältnisse, eine lange ruhige Regierung.Das Bergische Fest wird unter allgemeiner und aufrichtiger Teilnahme gefeiert. KarlTheodor hatte das alte Recht des Landes, wie es seine tief ins Mittelalter zurück-reichende ständische Verfassung ausprägte, geachtet. Darüber vergaß man wohl dieschweren Mängel der verrufenen kurpfälzischen Bureaukratie, und so kam es, daß,als der Kurfürst fünf Jahre später vom Tode hinweggerafft wurde, ihm manch ernst-gemeinter Dank ins Grab folgte. Sein Nachfolger Maximilian Joseph wurde in denüblichen Formen höfischer Devotion begrüßt. Kein Mensch dachte daran, daß dieTage seiner Herrschaft gezählt waren, und nur wenige verstanden es, aus demSiegeszuge, den die Revolution inzwischen mit der Kraft einer beispiellosen Propagandabegonnen hatte, für das bergische Land die Folgerungen zu ziehen. Das linkeRheinufer war seit dem Herbst 1794 tatsächlich in französischen Händen. Der drei Jahrespäter abgeschlossene Definitivfriede von Campo-Formio hatte als traurigen Wechselfür die Zukunft mit Einwilligung des Hauses Habsburg die Abtretungfast des ganzen linkenRheinufers an die französische Republik in Aussicht gestellt. Aber das alles berührtedas bergische Stilleben nur von ferne. Höchstens, daß im benachbarten Duisburg inkleineren Kreisen der demokratische Gedanke und die Begeisterung für die Franzoseneinige Fortschritte machte.
Der Pfälzisch-Bayrischen Dynastie für das ganze Herzogtum entspricht in derUnterherrschaft Broich und ihrer Hauptstadt Mülheim an der Ruhr die Regierung desHessisch-Darmstädtischen Fürstenpaares seit 1766 1 ). Die letzte Fürstin aus demLeiningenschen Hause 2 ), Marie Luise Albertine, Herrin von Broich, hatte den LandgrafenGeorg Wilhelm von Hessen-Darmstadt geheiratet und an seiner Seite bis zu seinem
J ) Klanke-Richter, Geschichte der Bergischen Unterherrschaft Broich, sowie der StadtMülheim a. d. R., 1891, S. 45 ff.2) a. a. O. S. 44.
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