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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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Kunst und Literatur.

Baukunst.

ülheim hat aus ältester Zeit nur vier Bauwerke von historischemund künstlerischem Werte aufzuweisen: Das Broicher Schloß, dasStyrumer Schloß, die Petrikirche und das Saarner Kloster mit derKlosterkirche. Dagegen ist unsere Stadt in den letzten Jahrzehntenmit einer Reihe von Bauten geschmückt worden, auf die sie stolzsein kann; als solche sind vor allem zu nennen: Die Paulikirche,die Post, das Amtsgericht, die Kaserne, die evangelische Kirche in Broich, diekatholische Kirche in BroichSpeidorf, die Engelbertuskirche und die neueSynagoge. Da mit Ausnahme der beiden Schlösser alle genannten Bauwerke bereitsan anderen Stellen dieses Buches gewürdigt worden sind, so darf sich unsereBesprechung hier auf diese beiden beschränken.

Schloß Broich 1 ) wird mit Recht zuden hervorragendsten Hofburgen amNiederrhein" gezählt; nur wenige Schlösser, wie das Schloß Burg an der Wupperund das zu Kleve übertreffen es an Bedeutung. Die eigentlichen Schloßgebäudesind ziemlich erhalten. Allerdings werden sie nicht mehr von hohen Türmen überragt,denn der Bergfried und die anderen Türme diese bis auf Bruchstücke sindverschwunden. Auch liegt die Burg nicht mehr in vornehmer Ruhe, abgesondertvon den Wohnungen anderer Sterblicher da, und die Eisenbahn hat an der Nordwest-seite der Feste vorbei und die elektrische Straßenbahn sogar durch einen der Schloß-höfe, den Viehhof, hindurch ihren Weg genommen. Aber dennoch macht das Schloßauch heute noch den Eindruck eines prächtigen Edelsitzes.

Noch bis vor 30 Jahren führte eine Kastanien-Allee vom Stockfisch über denmit Linden und Kastanien bewachsenen Mühlenberg nach dem Torwärterhaus, durchdessen Durchfahrt man in den Viehhof gelangte. Dieses Haus ist von Wilhelm Wirich,der auch den Viehhof mit einer Mauer umzog, als einstöckiger Bau aus Bruchsteinenaufgeführt worden. Das starke Tor aus Eichenholz war mit Wildschwein- undHirschklauen, Rehpfoten und Fängen und Läufen von Federwild über und über bedeckt.Im vorigen Jahrhundert baute man das Wärterhaus mit Backsteinen zu einem zwei-stöckigen Hause aus, um es als Gefängnis des Fürstlichen Gerichtes zu Broich zu benutzen.Das eigentliche Schloß besteht aus zwei getrennt liegenden Hauptgebäuden.Es hatte drei Höfe: den schon mehrmals genannten Viehhof, den Schloßhofzwischen den beiden Hauptgebäuden und den alten Burghof (nach der Bergstraße

i) S. Abbildung auf S. 11.

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