großen Zapfenstreich zu den Klängen der Musik die Worte des Liedes: „Ich betean die Macht der Liebe" in Gedanken mitsingt.
Außer dem Blumengärtlein besitzen wir von Terstegen verschiedene Über-setzungen reformierter und katholischer Gottesmänner und zwei eigene Schriften.Zunächst erschien die Übersetzung von Labadies Handbüchlein der wahren Gottseligkeit,dann veröffentlichte er unter dem Titel „Das verborgene Leben in Christo", einen Auszugder Schriften des katholischen Mystikers de Bernieres Louvigny, drittens übertruger die Nachfolge Christi von Thomas a Kempis ins Deutsche, und endlich vollendeteer die Arbeit „Wahre Theologie des Sohnes Gottes" und schrieb das „Zeugnis derWahrheit". Seine Übersetzungen sind nicht wortgetreue Wiedergaben der Originale,sondern Bearbeitungen. Sein umfangreichstes Werk führt den Titel „AuserleseneLebensbeschreibungen heiliger Seelen". Über dieses Werk sagtGöbel: „Es ist dieungesundeste und bedenklichste Schrift unseres Mystikers". Drei Monate vor seinemTode gab Terstegen seine Predigten heraus. Er nennt sie „Geistliche Brosamen".In diesen Reden und den sie begleitenden Gebeten haben wir wohl die reifste undsüßeste Frucht Terstegen'schen Innenlebens vor uns. Die Gedanken, klar und innig,ziehn auf Flügeln des Gebetes ihre leuchtende Bahn. Zum Schlüsse sei noch gedachtseines Erstlingswerkes „Unparteiischer Abriß christlicher Grundwahrheit", seinerSchrift „Weg zur Wahrheit," seiner „Kritik der Gedichte Friedrichs des Großen"und seiner Briefe, von denen noch eine ziemliche Anzahl von Mülheimer Familienaufbewahrt wird.
Dr. Karl Arnold Kortum. Karl Arnold Kortum wurde 1745 in Mülheima. d. Ruhr als Sohn des Apothekers Chr. Fr. Kortum und seiner Ehefrau HeleneMarie Severin, verwitwete Apotheker Künzel, geboren. Sein Geburtshaus kenntman nicht. Nach Klanke-Richter soll es auf dem Löhberg, nach Dr. Deicke auf derKettwigerstraße gestanden haben. Die Familie Kortum stammt aus Friesland. DerKnabe, der schon im 4. Lebensjahre seinen Vater verlor, wurde von der Mutter
mit vieler Liebe, aber auch mit Strenge erzogen.Da sie eine Anhängerin Terstegens war, so leitetesie die Erziehung in dessen Sinn, und wir dürfenwohl mit ziemlicher Gewißheit annehmen, daß Kortumseine reiche Bibelkenntnis zum größten Teil seinerMutter verdankt. Bis zum 15. Lebensjahre bliebKar! Kortum bei der Mutter, dann besuchte er dasGymnasium in Dortmund. Er war fleißig und begabt,zog sich aber manchen Tadel zu, weil er in Spott-versen Personen so deutlich zeichnete, daß sie leichtzu erkennen waren. Mit dem 18. Lebensjahre bezoger die Universität Duisburg, um Medizin zu studieren.Mit großem Eifer betrieb er seine Studien, nach derenBeendigung er kurze Zeit die ärztliche Praxis inDuisburg und in seiner Vaterstadt ausübte. Nachseiner Verheiratung ließ er sich dann in Bochum
Dr. Karl Arnold Kortum. nieder.
In Mülheim und später in Bochum entfaltete er eine reiche literarische Tätigkeit.Anfangs schrieb er Aufsätze, die aber heute fast wertlos sind, daher übergangenwerden können, dann verfaßte er Anekdoten und Gedichte. Das Jahr 1784 brachteKortums Hauptwerk, durch das er sich unvergänglichen Ruhm erwarb, nämlich:
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