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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
Seite
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Leben Meynungen und Thaten von Hieronimus Jobs dem Kandidaten, und wie ersich weiland viel Ruhm erwarb, auch endlich als Nachtswächter zu Sulzburg starb.Vorn, hinten und in der Mitten geziert mit schönen Holzschnitten. Eine Historialustig und fein in neumodischen Knittelverselein. Münster und Hamm bey PhilippHeinrich Pereunon." Fünfzehn Jahre später veröffentlichte er den 2. und 3. Teil;das ganze Werk erschien unter dem TitelDie Jobsiade. Ein komisches Helden-gedicht in drei Theilen." Sie ist urdeutsch in ihren Gestalten; sie ist deutsch inihrer Versform, einem Knittelverse, der kein fremdländisch Gepräge an sich hat.Was er mit der Jobsiade gewollt hat, sagt Kortum selbst:Nur Hypochondristeneine frohe Stunde durch dieselbe zu machen, war mein Zweck." Kortums Wunschist in Erfüllung gegangen; die Jobsiade hat aber nicht nur Hypochondristen froheStunden bereitet, Unzählige haben sich an ihr erfreut, ja sie ist Gemeingut allerGebildeten Deutschlands geworden, und das wird sie auch wohl bleiben, so langeder Deutsche Sinn für einen gesunden Humor behält.

So sehr verbreitet die Kenntnis der Jobsiade ist, so wenig sind Kortumsandere poetische Erzeugnisse bekannt, obgleich sie der Beachtung recht wohl wertsind. Gar köstlich lesen sich seineLebensbeschreibungen"; es sind kurze, knappeSätze. In dem GedichteDer Wein eine Panacee" preist ein Arzt einem Kranken für alleLeiden Leibes und der Seele, und der Kranke hat deren viele, den Wein als Helferan. Die FabelHahn und Henne" erzählt von einem Hahn, der seine Hühner obihrer Streitsucht tadelt, selbst aber gleich nachher mit dem Hahn des Nachbars ineinen bitteren Kampf gerät.Gewißheit und Ungewißheit" geißelt scharf die Heuchelei.

Einer literarischen Tätigkeit Kortums, die allerdings unsern Beifall nicht hat,müssen wir noch Erwähnung tun. Kortum war Anhänger der Alchimie, und umeine gegenseitige schriftliche Belehrung der Freunde der Goldmacherkunst zu er-möglichen, gründete er in Gemeinschaft mit Dr. Bährens aus Schwerte die hermetischeGesellschaft. Bald nach Erlaß des Aufrufs zur Gründung dieser Gesellschaft meldetensich viele zur Aufnahme. Die Anfragen beantworteten die beiden Ärzte nach ihrerAusdrucksweise apalliativisch. Von 17911804 blühte die Gesellschaft, dann verfiel sie.

Kortum war als geschickter Arzt in Bochum sehr geschätzt, und da er einliebenswürdiger Mensch war, so hatte er einen großen Freundeskreis, der sich oftan seinen heiteren Einfällen ergötzte. Er starb am 15. August 1824.

Hermann Adam von Kamp wurde 1796 in Ruhrort geboren. Er war von18141825 in Broich und von 18251867 in Mülheim-Ruhr als Hauptlehrer undOrganist tätig, von Kamp war ein treuer, schaffensfreudiger Lehrer, der jedenseiner Schüler auf liebendem Herzen trug, und ein selbstloser Mann. Gern gewährteer Leuten, die das Schulgeld nicht zahlen konnten, Ausstand, niemals klagte er einerückständige Forderung ein, er erlitt daher oft Schaden. Er war ein echter Patriotund ein Meister in der Darstellung vaterländischer Begebenheiten. Den Gesanghielt er für ein wichtiges Erziehungsmittel und verwendete deshalb auf dessen Pflegegroßen Fleiß, dichtete auch selbst viele Lieder, die von seinen Freunden in Musikgesetzt wurden. Neben den Volksliedern gab er eine Sammlung Grubenlieder heraus.Zur Steuer der Roheit, der Tierquälerei und des Wald- und Obstbaumfrevels verfaßteer eine Reihe von Volks- und Jugendschriften. Seine Frömmigkeit, seine Heimat-liebe und seine Freude an der Natur begeisterten ihn zu manchem Gedichte. Füralles das, was von Kamp als Lehrer, Volksfreund und als Dichter geleistet hat, istihm reiche Anerkennung zu teil geworden. Der König verlieh ihm bei seinem

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