berechtigten Bestreben, wirtschaftlich stark zu werden, nicht dazu gekommen, eineFörderin der bildenden Künste zu sein. Von bedeutenderen Künstlern hat nur Wilh.v. Kaulbach als Jüngling ein paar Jahre hier in Mülheim gelebt, wo sein VaterKupferstecher war. Kunst- oder andere Museen besitzt Mülheim auch nicht. Dochbefinden sich in dem Privatbesitze einiger Herren wertvolle Sammlungen. HerrStöcker hat mit Porträts von Herren und Damen des Broicher Grafengeschlechtesdas Treppenhaus des Palas geschmückt. Wir sehen die Bilder von Wilhelm Wirich,Carl Alexander, Anna Elisabeth, geb. Gräfin von Waldeck, Johanna Magdaleneu. a., deren Namen unbekannt sind. Die Bilder wurden von J. von Ravenstein(17. Jahrhundert) und F. Bartels (18. Jahrhundert) gemalt; doch sind einige Bildervon letzterem nur Kopien. Die Herren Amtsgerichtsrat Dr. Deicke und RentnerRobert Rheinen haben sich als Sammler von Holzschnitten, Kupfer- und Stahlsticheneinen Namen gemacht. Herr Rheinen verfügt außerdem über eine reichhaltigeGemäldesammlung, Herr Dr. Deicke über eine wertvolle Münzsammlung. AlsGrundstock für ein städtisches Museum sammelt bisher der GeschichtsvereinGegenstände aller Art, die zur Geschichte unserer Heimat in Beziehung stehen.
Literatur.
Die Zahl der Männer, die in Mülheim gelebt haben oder noch leben unddichterisch 1 ) oder sonst literarisch tätig gewesen sind, ist recht groß. Wirmüssen uns an dieser Stelle darauf beschränken, neben wenigen Angaben aus ihremLeben und einer kurzen Charakteristik die bekanntesten Werke aufzuführen.
Gerhard Terstegen 2 ). Terstegen ist ein Dichter von Gottes Gnaden.Keine Sammlung geistlicher Lieder hat eine annähernd so große Auflage erlebt,wie sein „Blumengärtlein". Das Blumengärtlein ist Unzähligen zum Segen geworden.In Mülheim wertete man es fast der Bibel und dem Gesangbuch gleich. GeselligeZusammenkünfte schloß man mit einem Liede Terstegens. Das Blumengärtlein hatvier Teile mit folgenden Überschriften: Jehovah (enthaltend kurze, erbaulicheSchlußreime), Jesus (bestehend in kurzgefaßten Betrachtungen über einige auserleseneSprüche aus den vier großen Propheten auf das innere Leben gerichtet), Halleluja!(oder geistliche Lieder und Andachten), Der Frommen Lotterie (Wobei man kannnichts verlieren). Teil 1, 2 und 4 sind Spruchdichtungen. Die Sprüche sind kurz,innig und treffend, ihre Überschriften ansprechend. Sie erfreuten sich einer solchenBeliebtheit, daß Freunde einander mit den Sprüchen grüßten. Auch heute nochwerden die „Blümlein" gern gepflückt und die „Loose" gern gezogen.
Noch wertvoller als seine Sprüche sind seine Lieder. Das evangelischeGesangbuch für Rheinland und Westfalen hat allein 18 Liedern Aufnahme gewährt.Auffallend ist es, daß seine Sprüche sowie seine Lieder vom ersten bis zum letzteninhaltlich und der Form nach gleich vollendet sind. Professor Lange sagt, manchesLied habe eine so schöne Form, daß es an Goethes Kunst erinnere, von Bunsennennt Terstegen den ersten Meister des geistlichen Gesanges, Knapp urteilt, es seienmehrere Stücke von unnachahmlicher Tiefe, Klarheit und Einfalt. Wer kennt nicht:„Gott ist gegenwärtig" und „Jauchzet ihr Himmel, frohlocket ihr englischen Chöre".Tiefe Andacht zieht in das Herz des Soldaten ein, wenn er abends nach dem
x ) Über den Dichter-Komponisten August Bungert s. unten 341 f.2 ) Sein Leben s. S. 139.
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