Couriers und Estafetten durch Vorzeigung des Passes sich legitimiren sollen, damitkeine fremden Couriers oder andere Passanten, die dem Barriere-Geld unterworfenbleiben, sich mit durchschleichen können. Broichischer Seits sollen die geschärftestenOrdres erteilt werden, daß den Kgl. Posten und besonders den Couriers und Estafettensowohl bei Nachtzeit als bei Tage kein unnötiger Aufenthalt verursacht werdendürfe, sondern ihnen der Schlagbaum jederzeit, sobald der Postillion ins Hörn stößt,promptest eröffnet werden solle.
Punkt IV und V betreffen die Zuständigkeit der General-Postdirektion und derBroicher Gerichte bei Streitigkeiten zwischen den Kgl. Preußischen Postoffizianten undBedienten und bei criminellen Vorgängen als Postberaubungen, Postdiebstählen u. s.w.
Damit hatte die Herrschaft Broich und das Kirchspiel Mülheim unmittelbarenAnschluß an einen Postkurs erlangt. Die Einrichtung einer Poststation in Mülheimwar zwar der Landgräfin wegen der Nähe der Poststationen Essen und Duisburgabgeschlagen worden, doch richtete die Thurn- und Taxis'sche Postverwaltung ent-weder Ende 1796 oder Anfang 1797 — ein bestimmter Zeitpunkt hat sich leider nichtermitteln lassen — eine Postanstalt in Mülheim ein.
Geschichte der Postanstalt.
Von großer Bedeutung kann dieses Postwärteramt indes anfangs nicht gewesensein, denn es wurde 1—2 Jahre lang von dem katholischen Schullehrer neben seinensonstigen Berufspflichten besorgt. Ihm folgte im Jahre 1798 als Vorsteher des Post-wärteramts der Postverwalter Mathias Krabb, der ein Gehalt von 594 G. jährlichbezog. In die Zeit seiner Amtsführung fiel die französische Occupation, die für dieweitere Entwickelung des Verkehrswesens höchst nachteilig war. Nachdem diefranzösischen Truppen aus dem deutschen Gebiet zurückgedrängt waren, fielen imJahre 1813 die Postgerechtsame am Niederrhein an den Fürsten Thurn und Taxiszurück. Am 1. Juli 1816 nahm Preußen die Thurn und Taxis'schen Posten am Nieder-rhein endgültig in Besitz. Am 11. Oktober desselben Jahres trat der 75jährigePostverwalter Krabb in den Ruhestand. Sein Nachfolger war der Postexpeditor Knoppaus Düsseldorf. Am 1. Januar 1817 wurde anläßlich der Einführung der PreußischenPostverfassung in dem neu erworbenen Besitz das Postwärteramt, das bis dahin demPostamt in Duisburg unterstellt war, in ein selbständiges Postamt umgewandelt; derVorsteher Knopp erhielt die Amtsbezeichnung „Postmeister". Gleichzeitig wurdendie Postwärterämter in Werden und Kettwig dem hiesigen Postamt zugeteilt. DerPostsekretär Peres, der dem Postvorsteher Krabb beigegeben war und 280 G. Gehaltbezogen hatte, trat in den Ruhestand. Infolge Zunahme des Verkehrs wurde am1. September 1827 ein weiterer Postschreiber eingestellt. Außer Knopp wirkten zujener Zeit beim Postamt die Postschreiber Dieckmann, Voigt und Dobbelstein sowieder Wagenmeister Schürmann und der Briefträger Oesterwind. Im Jahre 1835 stelltedas General-Postamt zur Unterstützung des Amtsvorstehers „im Hinblick auf dashohe Alter und in Anerkennung seines Amtseifers" einen weiteren Beamten, denPostsekretär Rahmenhoff, ein; auch das Unterbeamtenpersonal wurde zur Ausführungdes Landbestelldienstes um eine Kraft vermehrt. Der Postmeister Knopp starb am26. August 1844 im Alter von 83 Jahren. Da auch sein Vorgänger hochbetagt vomAmte zurückgetreten war, ist wohl der Schluß berechtigt, daß zu jener Zeit die Ge-schäfte des Postamtsvorstehers noch nicht allzu aufreibend gewesen sind. NachKnopps Tode verwaltete zunächst der Postsekretär Torges das Postamt einige Monate,
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