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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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an den Stammtischen wurden Papiere gehandelt und die abenteuerlichsten Unter-nehmungen besprochen. Die Frage:Haben Sie [Name des Papiers]?" wurde eingeflügeltes Wort, das an sich schon wirkte. Bei dem folgenden allgemeinen Krachist viel Geld verloren gegangen, und der Arbeitsmangel schuf in der Stadt großeArmut. Erst Anfang der achtziger Jahre trat infolge der für die Eisenindustriebesonders wichtigen Änderung der deutschen Handelspolitik im Jahre 1879 eineentschiedene Besserung ein, die allerdings noch mehrfach Unterbrechungen erfuhr,so zu Anfang der 90er Jahre und noch mehr zu Beginn des neuen Jahrhunderts.Bekannt sind auch die heftigen Störungen des gesamten Wirtschaftslebens durchdie Bergarbeiterausstände von 1889 und 1905. Jene Krisen haben allerdings niemehr den Umfang der früheren erreicht, zum Teil dank dem planmäßigen Vorgehender vielen großen und kleinen Unternehmerverbände, die seit Ende der 80er Jahregebildet worden sind.

Seit 1856 wird Mülheim a. d. Ruhr mit Gas versorgt. (S. 107.) Die ersteGasbeleuchtung von Wohnräumen führte aber bereits im Jahre 1840 die WitweKupferschläger Nocken in ihrer Behausung ein. In den achtziger Jahren trat dieElektrizität in Deutschland ihren Siegeszug an. 1883 wurde in Mülheim die ersteKraft- und Lichtanlage ausgeführt. Seitdem ist die Elektrizität in fast alle Gewerbegedrungen, wenn sie auch für die Beleuchtung im Gasglühlicht und für den Stark-strom [in den Gaskraftmaschinen inzwischen wieder starke Wettbewerber gefundenhat. Die erste elektrische Straßenbahn wurde 1897 auf der Strecke Duisburg-Broich eröffnet, die vorher Dampfbetrieb hatte.

Schon auf der Gewerbeausstellung für Rheinland und Westfalen inDüsseldorf 1880 fanden Mülheims gewerbliche Leistungen volle Anerkennung. Inerhöhtem Maße war dies auf der Düsseldorfer Industrie-, Gewerbe- und Kunst-ausstellung von 1902 der Fall, an der, obwohl sie in eine Zeit des Niedergangs fiel,die Eisen-, Leder- und Tabakindustrie sich in erheblichem Maße beteiligten.

Seitdem hat das gesamte deutsche Wirtschaftsleben einen Aufschwung genommen,wie er bis dahin nicht erlebt worden ist, und an ihm hat auch Mülheim reichenAnteil gehabt. Andrerseits haben aber auch die Lebensmittel und Bedarfsartikeleine ungewöhnliche Verteuerung erfahren. Der Höhepunkt der glänzendenKonjunktur ist auch im vergangenen Jahre überschritten worden, und nebenden Folgen des Rückganges drückt auf das gewerbliche Leben der hohe Geldstand,der durch den Mangel an verfügbarem Kapital in dem als Industriestaat noch jungenDeutschland und durch gleichzeitige außerordentliche Anforderungen des amerikanischenWirtschaftslebens an den europäischen Geldmarkt hervorgerufen worden ist und indem ungewöhnlichen Reichsbankdiskontsatz von 772%, der vom 8. November 1907bis zum 13. Januar 1908 in Geltung war, seinen schärfsten Ausdruck gefunden hat.Hierunter hat auch das Baugewerbe sehr zu leiden, da die Bautätigkeit infolge derknappen Mittel ganz darnieder liegt. Aber es ist zu hoffen, daß die Abschwächungder gewerblichen Tätigkeit keinen verderblichen Rückgang des ganzen deutschenWirtschaftslebens und damit seiner einzelnen Zweige bringt, sondern nur eine Zeitder Rast vor neuer Entfaltung der wirtschaftlichen Kräfte Deutschlands im Kampfeauf dem Weltmarkt bedeutet.

Am 1. Januar 1907 befanden sich im Stadt- und im Landkreise Mülheiman der Ruhr unter Aufsicht der Bergbehörde und der Gewerbeaufsicht zu Mülheiman der Ruhr 490 gewerbliche Betriebe 1 ) mit zusammen rund 20000 Arbeitern

*) d. h. einzelne Betriebe, von denen mehrere verschiedenartige ein Unternehmen bilden können.

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