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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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gingen zunächst noch nicht in Erfüllung. Die Nachteile, die man mit Rechtvon dem Bau der Cöln-Mindener Eisenbahn befürchtete, die seit 1846 von Duisburgüber Oberhausen nach Essen lief, wurden Anfang der 50er Jahre zunächst außerdurch die Erleichterung der Schiffahrt (teilweise Ermäßigung der Ruhrschiffahrtsgefälle)durch den ungeahnten Aufschwung der Industrie und des Bergbaus aufgehoben.

1852 wurde dieFriedrich-Wilhelmshütte" in eine Aktien-Gesellschaft umgewandelt,

1853 die Mülheimer Dampfschleppschiffahrtsgesellschaft gegründet, 1856 die FirmaMath. Stinnes, wenn auch nur vorübergehend, inMathias Stinnes'sche Handlungs-Aktiengesellschaft" umgewandelt, im gleichen Jahre folgten weitere Gründungen, wieWiesche,Verein" (S. 237), Troost. Der Bergbau belebte sich, und da die ersteEisenbahn der Schiffahrt noch keinen Abbruch tat, so waren die Mülheimer inzuversichtlichster Stimmung. Es entstand ein wahres Kohlen- und Gründungsfieber;jeder wollte schnell reich werden.

Ein zweiter Rückschlag, zu dem vielleicht auch die neue hohe Sonder-besteuerung der Aktiengesellschaften beigetragen hat, erfolgte in dem allgemeinenKrisenjahre 1857. Da schwand der stellenweise ganz maßlose Optimismus,und die folgenden Jahre lasteten schwer auf Mülheim. Nicht nur reiche Kapitalistenhatten sich an der Spekulation beteiligt, auch schwächere Kräfte und kleine Leute;gar mancher, der nicht vorgesorgt hatte, ging im Sturme unter.

In diese kritische Zeit fällt der Bau der Bergisch-Märkischen Bahn von Duisburgüber Mülheim nach Essen, die 1862 ihren Betrieb eröffnete. Hiermit begann dasEnde der Ruhrschiffahrt, die dem neuen Verkehrsmittel nicht mehr gewachsenwar. Traurig stand der Mülheimer auf der Kettenbrücke und betrachtete dieprächtigen Anlagen für die Schiffahrt, die vor 20 Jahren mit bedeutenden Mittelngeschaffen worden waren und nun nutzlos und ungenützt liegen bleiben mußten.Der Rheinverkehr konnte allmählich hierfür Ersatz schaffen. Nach dem Friedens-schluß von 1864 begann ein neuer Aufschwung, aber der Krieg von 1866 brachteschnell wieder eine merkliche Hemmung, von der sich Handel und Gewerbe infolgedes Mangels an Vertrauen auf die Dauer des Friedenszustandes nur allmählicherholten. Für Mülheim speziell brachte des Jahr 1866 noch außer einem Schifferstreikdie Einstellung der Betriebe der Luisentaler Aktien-Gesellschaft und der Schmachten-bergschen Tuchfabrik, die bis auf die Mauern abbrannte. Der Friedensschluß befreiteaber wenigstens die Mülheimer Schiffer von ihrer Sorge um die auf dem Oberrheinverkehrenden Schiffe. 1 ) Der gewaltige Konjunkturaufschwung, der dannnach dem deutsch-französischen Kriege eintrat und nach wenigen Jahrenzu einem dritten heftigen Rückschlage führte, ist bekannt. Zwar vonGründungen" istMülheim, dessen Industrie im allgemeinen auf gesunder Grundlage ruhte, verschontgeblieben; aber die großen und kleinen Kapitalisten der Stadt wurden doch in dasallgemeine Fieber hineingezogen. Die Wogen der Spekulation gingen wieder hoch,und die Börse machte die besten Geschäfte. Auf der Straße, in den Eisenbahnwagen,

x ) In einem Bericht vom Jahre 1866 heißt es: In den jüngsten Tagen sind bei dem beteiligtenPublikum lebhafte Besorgnisse inbetreff der Rheinschiffahrt bei den heutigen Kriegszuständen lautgeworden. Einestheils verlautete, Preußen beabsichtige ein Ausfuhrverbot der Ruhr- und Saarkohlenzu erlassen, um den süddeutschen Eisenbahnen und der süddeutschen Industrie ihren Lebensnervzu unterbinden, andererseits wurden Besorgnisse gehegt, die preußenfeindliche Süddeutsche Regierungkönnte das rheinische Dampf- und Segelschiff-Material preußischer Unterthanen mit Beschlag belegenund wenn auch nicht als Prise sich aneignen, doch zu militärischen Zwecken verwenden. Beide Besorg-nisse erwiesen sich später als unbegründet.

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