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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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der Weberei. Auch die verschiedenen Tuchfabriken, die früher bestanden haben,sind allmählich eingegangen.

Ein Kind des neuen Jahrhunderts, das schnell zu machtvoller Größe empor-gewachsen ist, ist dagegen die Eisenindustrie. Sie wurde in Mülheim wennwir von dem alten Eisenhammer (S. 244) absehen 1820 durch die Gründungder Maschinenfabrik von Dinnendahl eingeführt und hat seitdem das Bild der Stadtallmählich völlig verändert. Betriebe kamen und gingen, aber die Richtung der Ent-wicklung blieb aufsteigend, bis im Jahre 1871 die Gründung der Firma Thyssen& Cie. ein Unternehmen schuf, dessen ungewöhnliche Entwicklung in den 37 seit-dem vergangenen Jahren Mülheim einen Entgelt für den Abbruch gewährt hat, denes in seiner Stellung im ehemaligenKreise Duisburg" durch das schnelle Empor-kommen von Essen a. d. Ruhr erleiden mußte. Heute tritt die Stadt, die früherKohlen- und Schifferstadt war, nach außen als Stadt der Großeisenindustrie in dieErscheinung. Aber in Wirklichkeit hat die Eisenindustrie die früher vorherrschendenGewerbe, Kohlenhandel und Schiffahrt, nicht zu verdrängen vermocht. Sie haltenheut, dank der Zähigkeit derAlten", einander die Wage, und Mülheim a. d. Ruhrist dadurch vor einer Einseitigkeit des gewerblichen Charakters behütet worden, diemancher neuzeitlichen Industriestadt zum Nachteil gereicht.

Entsprechend dem Aufblühen der meisten industriellen Gewerbezweige unddes Kohlenhandels haben sich schließlich auch die meisten übrigen Handelszweigein den verflossenen 100 Jahren gehoben. Zwar der Kolonialwaren-Großhandel hatnach dem Aufkommen der Eisenbahnen naturgemäß seine besondere Bedeutungals Zwischenhandel zwischen dem Rhein und dem bergischen Lande verloren, erist aber kräftig geblieben und hat andere Wege für seinen Absatz gesucht, und anihn und den Kohlengroßhandel reihen sich in mannigfaltiger Fülle die anderen,oben S. 276 f. genannten Zweige des Großhandels und ein regsamer Kleinhandel inneuzeitlichen Formen an. Und gleich dem Warenhandel hat sich auch der Geld-und Kredithandel, den wachsenden Bedürfnissen des heutigen Wirtschaftslebensfolgend, wesentlich verstärkt und neben der Reichsbankstelle mehrere großeprivate Bankunternehmungen erstehen lassen, durch deren sachverständige Unter-stützung das Getriebe des Wirtschaftslebens vor unliebsamen Stockungen nachMöglichkeit bewahrt wird.

Gleich die ersten Jahre des vergangenen Jahrhunderts haben,dank vor allem der gewaltigen Umwälzungen, die sich auf dem technischen Gebietevollzogen hatten, wie die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit in der Welt, so auchdie wirtschaftliche Bedeutung von Mülheim a. d. Ruhr im Gegensatz zu den früherenJahrhunderten schnell gehoben. Unaufhaltsam ging diese Entwicklung weiter, umvon den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts an das Zeitmaß immer mehrzu beschleunigen. Neben der Vervollkommnung der Verkehrsmittel und der Wege-verbindungen, die diese Jahre brachten, half dazu das Aktiengesetz, das 1843 erlassenwurde und es ermöglichte, durch Vereinigung vieler kleiner Kapitalien die größtenUnternehmungen zustande zu bringen, ferner die im Jahre 1845 eingeführte allgemeineGewerbefreiheit und 1851 das erste neue Berggesetz, das den Kohlenbergbau vonalten Fesseln befreite.

Eine erste Krisis trat im Revolutionsjahr 1848 ein, in dem z. B. dieZahl der Arbeiter der .früheren Dinnendahlschen Fabrik von 415 im April auf 216zu Ende des Jahres sank. Erst Anfang der 50er Jahre war die erste Zahl wiedererreicht. Die lebhaften Befürchtungen speziell für den Kohlenhandel und die Schiffahrt

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