zeigt, daß die Verschmelzungen, die im letzten Jahrzehnt erfolgt sind, nur eine Fort-setzung der durch die Umwälzung der Betriebsverhältnisse schon zu Anfang des19. Jahrhunderts bedingten Zusammenlegungen im Steinkohlenbergbau waren. Sindauch ein Schacht der Zeche Alstaden und selbst die ganze Zeche ver. Sellerbeckstillgelegt worden, so sind diese Maßnahmen doch in erster Linie im Interesse desBetriebes erfolgt und eine mehr äußerliche Erscheinung geblieben ; die Zeche Alstadenhat ihre übrigen Anlagen wesentlich ausgebaut und erweitert und die Grubenver. Sellerbeck werden jetzt von Zeche Roland aus weiter abgebaut. Der MülheimerBergwerksverein (S. 239) aber ist eigens zu dem Zwecke gegründet worden, die alten inihrer Selbständigkeit schwachen Gewerkschaften zu einer kraftvollen Einheit zuverbinden und so den großen Gesellschaften in den neu erschlossenen Bergbau-gebieten ebenbürtig zu machen und diese großzügige Politik, die in der Güte desMinerals der Bergwerke ihre Begründung findet, hat der Verein denn auch nachseinen ersten Maßnahmen weiter betätigt.
Der Mülheimer Bezirk selbst ist einer der ersten gewesen, die den Bergbauzur Blüte gebracht haben; er war die Bildungsstätte für eine Reihe tüchtigerMaschinen- und Pumpensteiger; seine Eigentümlichkeiten, welche ihm früher einenausländischen Charakter den benachbarten Landesteilen gegenüber gaben, sindseit 1851 geschwunden, während seine Entwickelung alle früheren Erwartungen weitübertroffen hat. Die Tatsache, daß 1852 die Zahl der Bergleute 700 betrug, 1865dagegen 2461 und Ende 1906 4673, beweist, daß der Mülheimer Bezirk trotz desihn noch Jahrzehnte lang drückenden Privatzehnten an dem Aufblühen des ganzenpreußischen Bergbaues vollen Anteil genommen hat. Mülheim hat zudem einegroße Bedeutung durch die Verlegung des Sitzes der Rheinisch-Westfälischen Berg-werksgesellschaft (S. 240) nach hier erhalten.
Auch die Lederindustrie, schon von altersher in Mülheim zu Hause, istnicht nur heimisch geblieben, sondern hat sich ganz erheblich weiter entwickelt,wenn auch die Daseinsbedingungen sich im allgemeinen wesentlich geändert haben,und die Betriebe unter anderm durch den zunehmenden Verbrauch ausländischerGerbstoffe nicht mehr unmittelbar an bestimmte Gegenden gebunden sind. Heuteist Mülheim einer der Mittelpunkte der deutschen Ledererzeugung.
Von den übrigen gewerblichen Unternehmungen, die schon vor100 Jahren bestanden, haben sich die Steinbrüche, die Papierindustrie, das alteBraugewerbe, ebenso die Tabak- und Seifenfabrikation gehalten. Die Industrie derSteine und Erden hat eine erhebliche Ausdehnung durch Ringofenziegeleien, dieGlashütte und das Portlandzementwerk erhalten, die Industrie der Nahrungsmitteldurch Vervollkommnung und Vermehrung der Brauereien, die von Mülheim auseinen großen Teil des niederrheinisch-westfälischen Industriebezirks versorgen, durchMalzfabriken, Brennereien und Kaffeegroßröstereien, deren bedeutendste ihre Er-zeugnisse durch ganz Deutschland vertreibt. Auch die chemische Industrie, wennwir in weiterem Sinne die Seifenherstellung zu ihr rechnen, hat sich ausgedehnt.Mit Trauer muß jeden Mülheimer dagegen der Rückgang der Textilindustrieerfüllen. Die groß angelegten Unternehmungen der Familie Troost, deren Entwicklungauf S. 252 ff. ausführlich geschildert worden ist, die schließlich Baumwoll-Spinnerei,-Weberei, -Färberei und -Druckerei umfaßten und noch zu Anfang der sechzigerJahre zusammen etwa 900 Arbeiter beschäftigten, kamen bald darauf, hauptsächlichunter dem Druck des amerikanischen Bürgerkrieges in Verfall, und heute blüht, nachmehrfachen Wandlungen, die die Werke durchgemacht haben, nur noch der Zweig
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