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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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Kohlenschiffahrt im Ruhrgebiete noch befestigt. Auch die ersten Eisenbahnen, die fernvon Mülheim über das Land gingen, konnten diese Stellung noch nicht erschüttern.Bis zum Jahre 1860 sah die Ruhrschiffahrt ihre jährlichen Beförderungsmengen aufwärtssteigen. Dann aber ging es schnell mit ihr abwärts. Die Eisenbahnen, die ihr Netz immermehr ausdehnten und jetzt auch Mülheim selbst berührten, rissen den ganzen Verkehran sich, sodaß auch der Übergang der Kohle vom Lande auf die Wasserstraßevon den oberen Ruhrhäfen nach den Rheinhäfen Duisburg und Ruhrort verschobenwurde. Bei Mülheim wurden Kohlen zum letzten Male 1889 durchgeschleust: 32 Schiffemit 3192 t. Die letzte bestehende Schiffswerft in Mülheim stellte schon vorher ihrenBetrieb ein. Die Vorteile, die der unmittelbare Schiffahrtsverkehr der Stadt gebotenhatte, und der äußere Reiz einer Schifferstadt waren für Mülheim endgültig dahin.Trotzdem ist Mülheim Kohlen- und Schifferstadt geblieben; denn die großen Kohlen-handel- und Reederfirmen haben fast ausnahmslos ihren Sitz in Mülheim a. d. Ruhrbehalten, obwohl die eigentlichen Betriebe in den Rheinhäfen liegen: Mathias Stinnes,Kannengießer, Hugo Stinnes, Winschermann, Stachelhaus und Buchloh usw. Ebensoist eine große Anzahl Einzelschiffer in Mülheim-Ruhr ansässig geblieben (Seite 274),und dasKohlenkontor", die im Jahre 1903 geschaffene wichtige Verknüpfung desRheinisch-Westfälischen Kohlensyndikates mit den führenden Reedereien auf demRhein (Seite 275f), hat seinen Sitz in Mülheim genommen, und von seiner Gesamt-beteiligungsziffer entfällt nahezu ein Drittel auf die in Mülheim ansässigen Teilhaber.So hat sich Mülheim, obwohl kein einziges Frachtschiff privater Betriebe mehr aufder Ruhr fährt, eine maßgebende Stellung in der Vermittlung des Kohlenhandelsüber die Rheinstraße gewahrt. Diese Tatsache ist ein Zeugnis für das wertvolleSchwergewicht, das in einer bedeutsamen geschichtlichen Entwicklung liegt und dases einem rührigen Gemeinwesen ermöglicht, bei richtiger Pflege der früher gewonnenenStellungauchdieUngunsteinerÄnderungderVerhältnissezum mindesten abzuschwächen.Der Bergbau hat sich schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus dem Stadt-gebiet von Mülheim-Ruhr ganz hinausgezogen und wird auch heut lediglich in demverkleinerten Landkreise Mülheim a. d. Ruhr betrieben. Auch hier haben sich inden verflossenen hundert Jahren große Veränderungen vollzogen, die nach einemverlustreichen Rückgang zu neuer Blüte führten. Von all den kleinen Kohlengruben,die vor dem 19. Jahrhundert bestanden haben, hat sich unter den neuen Verhältnissenim Bergbaubetrieb nur ein Teil durch Zusammenlegung zu größeren Betrieben unddurch völligen Umbau der Anlagen, durch Umbildung zu Tiefbauzechen, erhaltenkönnen; nur wenige sind bis heut ohne Unterbrechung im Betrieb geblieben.1840 und auch 1852 waren nur zwei aus alten Gruben entstandene Zechen inBetrieb: ver. Sellerbeck und ver. Wiesche (S. 237). Zwei weitere, ver. Rosen-blumendelle und Humboldt (S. 237), haben langein Fristen" gelegen und sinderst in den fünfziger Jahren, als nach Überwindung der politischen und wirtschaft-lichen Krisis von 1848 allgemein ein neuer Aufschwung im Wirtschaftsleben eintrat,wieder in Angriff genommen worden. Und zu gleicher Zeit sind zu jenen vieralten" Zechen zwei neue hinzugekommen: Roland und Alstaden (S. 237). Sämtliche6 Zechen, deren Felder fast ausschließlich das ganze Mülheimer Kohlengebiet über-decken, sind heute Glieder der 3 großen Bergbaugesellschaften: Hibernia, Harpenund Mülheimer Bergwerksverein. Die Befürchtung, die Bergwerke könnten nunmehrstillgelegt werden, damit ihr Anteil an der Beteiligungsziffer des Kohlensyndikatsauf andere vielleicht ergiebigere Teile des großen Ganzen übertragen werden könnte,ist unbegründet geblieben. Die Geschichte des Bergbaues im Mülheimer Bezirk

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