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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
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geblieben sind, so muß sie sich hierbei mit dem gleichen Schicksal der Stadt-verwaltung von Mülheim a. d. Ruhrund der Landtagsabgeordneten des Bezirks trösten.

Aber über den wichtigen örtlichen Interessen hat sie auch die großen Fragender Wirtschaftspolitik, deren günstige Lösung naturgemäß auch für ihren Bezirkvorteilhaft war, nie vergessen, sondern in einer Weise zu ihnen Stellung genommen,die man noch heut meist als richtig anerkennen kann. Ehe das deutsche Reichgegründet wurde, ist sie mit Eifer für die Aufrechterhaltung des Zollvereins,für ein einheitliches deutsches Handelsgesetzbuch, für die Verwirklichung eineseinheitlichen Münz-, Maß- und Gewichtswesens eingetreten; nach der Gründung desdeutschen Reichs hat sie u. a. die Notwendigkeit des Zollanschlusses von Hamburgund Bremen betont und von vornherein die Berechtigung der Kolonial-, später derFlottenpolitik erkannt und anerkannt. Von Anfang an ist sie für eine in jederRichtung maßvolle Handels- und Zollpolitik unter Berücksichtigung der in ihrem Bezirkansässigen Gewerbezweige, vor allem der Textil-, Papier- und Leder-, dann derEisenindustrie eingetreten. In der Gewerbepolitik hat sie sich schon zeitig mit derGefährdung des seßhaften und soliden Kleinhandels durch den Hausierhandel, späterdurch Wanderlager, Wanderauktionen, Abzahlungsgeschäfte und durch unlauterenWettbewerb beschäftigt. Die Probleme, die die neuere Sozialpolitik brachte, hatsie mit Verständnis aufgenommen und vor allem die Unfallversicherung, später dieAlters- und Invalidenversicherung lebhaft begrüßt. Im Verkehrswesen hat sie u. a. schon1858 den Bau des Rhein-Weser-Elbe-Kanals befürwortet, 1883 die Schaffung einesBezirksfernsprechnetzes, wie es später für den Rheinisch-Westfälischen Industriebezirkeingerichtet wurde, zunächst für das Gebiet Mülheim-Duisburg-Ruhrort-Oberhausen-Essen angeregt, 1901 die Errichtung eines deutsch-niederländischen Postvereinsbeantragt, über die alsdann Beratungen zwischen den deutschen und niederländischenHandelskammern gepflogen worden sind. Zolltarifgesetz von 1902, Kanalvorlage,Börsengesetz, Reform des Personentarifs, Schiffahrtsabgaben, Verstaatlichung desKohlenbergbaues, Dienstvertrag der technischen Angestellten, Privatbeamten-versicherung, Reichsfinanzreform, Festlegung des Osterfestes, Eigentumsvor-behalt an Maschinen, das sind einige Vorlagen, die sie in den letzten Jahrenbeschäftigt haben.

Die Verdienste der Handelskammer um das kaufmännische Fortbildungs-schulwesen sind bereits oben S. 202 gewürdigt worden. In diesem Winterhat die Handelskammer auch begonnen, durch regelmäßige, nach Möglichkeit injedem Winter zu wiederholende wissenschaftliche Vorträge über wichtige Gebieteder Staats- und Wirtschaftskunde nicht nur den in Industrie und Handel Tätigen,sondern den Gebildeten aller Stände Gelegenheit zur Vertiefung ihrer Kenntnissevon den Grundlagen, der Entwicklung und den mannigfachen Verästelungen unseresheutigen Wirtschaftslebens zu geben.

Um die Interessen ihrer Bezirkseingesessenen noch besser wahren zu können,ist sie nach und nach verschiedenen wirtschaftlichen Verbänden und Vereinenbeigetreten, unter denen der Deutsche Handelstag (die freiwillige Vereinigungsämtlicher deutscher Handelsvertretungen), die wertvolle im Jahre 1899 gegründeteVereinigung von Handelskammern des niederrheinisch-westfälischen Industriebezirks, derZentralverband Deutscher Industrieller und der Verein zur Wahrung der gemeinsamenwirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen an erster Stelle stehen.

So ist es seit dem Bestehen der Handelskammer ihr Bemühen, sowohl diebesonderen Interessen ihres Bezirks wie die allgemeinen des ganzen deutschen

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