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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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Vaterstadt hinaus bekannten Firma gleichen Namens. Er war eine der markantestenPersönlichkeiten seinerzeit, mit weitausschauendem Blick, zäher Energie und eisernemFleiße in dem Bestreben, die Schiffahrt und den Kohlenhandel großzügig zu gestalten.Als die erste Eisenbahn, die Köln-Mindener durch das Kohlenrevier, gebaut werdensollte, trat er mit seiner ganzen Persönlichkeit für den Schienenweg über Mülheimein; sein Wunsch ging aber nicht in Erfüllung, und er und manche seiner Mitbürgermußten sehen, wie die Bahn ihren Weg über Oberhausen nahm, welches sich vonda ab zur mächtigen Industriestadt entwickelte. Mathias Stinnes war an allenUnternehmungen, die Schiffahrt und Verkehrswege betrafen, in erster Linie beteiligt.Er starb am 16. April 1845 und ruht in Mülheimer Erde.

So eifrig, wie die Mülheimer ihre Ruhrschiffahrtsinteressen seit jeher verfolgten,ließen sie auch ihren alten Ruhm auf dem Rheine 1 ) glänzen. Es ist nicht unsere Aufgabe,auf die großartige Entwicklung der Rheinschiffahrt einzugehen, wir wollen imweiteren nur schildern, welchen Anteil die hiesigen Firmen an der jetzigen Schiffahrtund an dem jetzigen Kohlenhandel haben.

Math. Stinnes, Firma, gegründet 1808 von genanntem Mathias Stinnes,geleitet von Kommerzienrat Gerh. Küchen und Gustav Stinnes, besitzt heute 21Dampfer mit 15270 indizierten Pferdestärken, und 85 eiserne Kähne mit 83188 tRaumgehalt. Sie beförderte 1906 zu Berg 1327780 t, hiervon durch eigene Dampfergeschleppt: 1310366 t, durch fremde 17414 t; zu Tal: 29976 t, also insgesamt zuBerg und Tal: 1357757 t. Die Firma hat Brikettfabriken in Gustavsburg undMannheim, sowie Niederlagen und Filialen in Duisburg, Duisburg-Ruhrort, Hagen,Mainz, Gustavsburg, Frankfurt a. M., Offenbach, Mannheim, Rheinau, Karlsruhe undKehl und beschäftigt im ganzen 693 Arbeiter und 58 kaufmännische und technischeBeamte, davon 18 hier in Mülheim. Am 1. Januar 1906 übernahm sie die zu Mainzund Duisburg domizilierte Aktiengesellschaft für Handel und Schiffahrt H. A. Disch,und 1906 die hiesige Firma Gebr. Mellinghoff.

Letztere Firma führt ihre Entstehung bis auf das Jahr 1848 zurück; sie gingam 1. Januar 1876 aus der Firma Stachelhaus & Mellinghoff hervor. Während dieersten Jahrzehnte noch in die Blütezeit der Ruhrschiffahrt fallen, befrachtete sie aufder Ruhr 1876 noch 95, 1880 noch 59, 1885 nur noch 13 Schiffe.

Harpener Bergbau- Akt.-Ges., Abteilung für Schiffahrt, geleitetvon Geh. Kommerzienrat Louis Kannengießer hierselbst.

Im Jahre 1876 gründeten Carl und Louis Kannengießer die Firma GebrüderKannengießer, welche 1895 auf Louis Kannengießer überging. Sie besaßt einegrößere Anzahl Schleppkähne und 8 Dampfer, außerdem Brikettfabrik und Kohlen-wäsche in Gustavsburg bei Mainz, Magazine in Ruhrort und Mannheim, seit 1889auch die Zeche ver. Sellerbeck; darauf erfolgte der Erwerb der ganzen Faber'schenFlotte. Ende November 1895 wurde der gesamte Besitz in die „Bergbau- undSchiffahrts-Aktiengesellschaft vorm. Gebr. Kannengießer" umgewandelt,

') Die „Liste der Mülheimer Schiffer, die zum Betriebe der kleinen Rheinschiffahrt imJahre 1810 autorisiert sind", führt folgende Namen auf: Mathias Stinnes, Gerhard Jaeger, HeinrichKamen, Wilhelm van Delft, Wilhelm Hilterhaus, Adam Sethmann, Mathias Krapp, Adam Zerres,Hermann Michels, Georg Kamen, Mathias Rauck, Hermann Heypertz, Wilhelm Münder, MathiasTollhaus, Hermann Stinnes, Heinrich Becker, Joh. Herrn. Scholl, Heinrich Buchloh, Roßhoff u. Weicks,Philipp Rosorius, Johann von Delst, Wilhelm Hilderhaus. Der Schiffer Georg Stripke wird am4. Februar 1813 als entsprungen aus dem Werdener Zuchthause erwähnt; dessen Strafzeit gehtden 28. Oktober 1841 zu Ende. — Der Schiffbauer Hermann Vonscheid erhält am 23. Juni eineBelobigung, weil er ein Kind aus dem Schleusenkanal gerettet hat. (Praefekturakten 138, 14, 153,mitgeteilt von Herrn Privatdozent Dr. Hashagen).

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