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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
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der einzelnen Zechen gehofft werden, was auch so lange geschehen kann und wird,so lange die Eisenbahnen dem Bedürfnisse nicht genügen können. Geschieht dasletztere aber, so wird nicht allein die Ruhrschiffahrt mit der Zeit entbehrlich, sondernes werden auch alle Kohlenzechen an der Ruhr nach und nach eingehen und ver-fallen, die sich nicht an die eine oder die andere Haupteisenbahn anschließenkönnen." 1861 war man im Ministerium noch anderer Meinung; in einem Erlaßheißt es: „Die Ruhrschiffahrt wird ihre Wichtigkeit voraussichtlich auch nach derweiteren Ausbreitung des dortigen Eisenbahnnetzes behalten." Dies hat sich nichtbewahrheitet, vielmehr ist die erste Prophezeiung ganz und gar eingetroffen: schnellverschoben sich die Verhältnisse so, daß die Ruhrschiffahrt, die so lange Jahrhundertefür Mülheim trotz aller Unbill eine Quelle reichen Gewinnes war, in den 70er Jahrenganz zu Ende ging 1 ). Seitdem wurden nur noch ein paarmal aus besonderen AnlässenKohlen auf der Ruhr verfrachtet. Aber für die sinkendeRuhrschiffahrt fanden die Mülheimer einen Ersatz in dermächtig emporblühenden Rheinschiffahrt.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts waren dieGebrüder Stinnes hier aufgetreten, hatten zuerst denVerkehr nach Holland gepflegt, richteten aber später,als der Verkehr durch die Vereinigung Hollands mitBelgien unterbunden wurde, ihr Hauptaugenmerk auf denOberrhein. Schon 1814 hatten sie die ersten Kohlennach dem Oberrhein transportiert, bald kamen sie bisnach Straßburg. Am Oberrhein waren die Kohlen bisherunbekannt; Stinnes schaffte sie zubilligen Preisen dahin,indem er zur Verbilligung seiner Kosten Rückfracht nahm.Als 1830 Belgien und Holland wieder getrennt waren,kamen die Ruhrkohlen auch in Holland wieder zurGeltung; die Rheinschiffahrt erwachte zu neuem Leben. Dann kam die Anwendungder Dampfkiaft ? ) hinzu, die eine vollständige Umwälzung hervorbrachte.

Da der Pferdetransport verhältnismäßig recht kostspielig und zeitraubend war,so mietete Mathias Stinnes mit seinem Freunde Harkort zusammen einen in Englanderbauten Dampfer, um die aufkommende Dampfschleppschiffahrt auch für die Kohlen-transporte nutzbar zu machen. Dies Unternehmen hatte jedoch mit so großenSchwierigkeiten zu kämpfen, daß es bald aufgegeben wurde; die Maschine wurdeaus dem Schiffe entfernt und dieses als Kohlenschiff verwandt. Durch solcheWiderwärtigkeiten ließ sich Mathias Stinnes jedoch nicht abschrecken; um die Mitteder 40 er Jahre baute er auf eigene Rechnung einen Schleppdampfer „MathiasStinnes I", der 40000 Ztr. in 10 Kähnen auf einmal zu Berg schleppen konnte.

Mathias Stinnes, geboren zu Mülheim am 4. März 1790, betrieb nach kleinenAnfängen zunächst Kohlenhandel und Schiffahrt und ist der Begründer der weit über seine

Mathias Stinnes.

x ) Vergl. Beilage XV: Der Verkehr an der Mülheimer Schleuse in den Jahren 1855-1878.Im Jahre 1865 war die Zahl der Ruhrschiffe bereits auf Va des früheren Bestandes zusammengeschmolzen.

2 ) Auf der Ruhr erschien das erste Dampfschiff im Jahre 1840; es war die „Yssel", dieam 10. März bei günstigem Wasserstande von Ruhrort hinaufkam und vor Mülheim Anker warf.Sie erregte in unserer Stadt begreifliches freudiges Aufsehen. 1853 wurde eine regelmäßigeDampfschiffahrt Werden—Kettwig—Mülheim—Ruhrort mit 2 Booten eingerichtet; wegen des häufigsehr niedrigen Wasserstandes hat sie aber keinen langen Bestand gehabt. In den letzten Jahrenfuhren 2—3 Personendampfboote von Mülheim bis Haus Krön und weiter, jetzt verkehrt hier nurnoch ein einziges Dampfboot. Eine Dampfschleppschiffahrt hat auf der Ruhr niemals bestanden.

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