Stellen nachdrücklich für die Bahn über Mülheim eingetreten ist, und aus den im Düssel-dorfer Staatsarchive beruhenden Akten des Landratsamtes Duisburg geht weiter hervor,daß, als die Anlegung dieser schon im Jahre 1833 geplanten Bahnlinie im Jahre 1841in Angriff genommen wurde, die Bürgermeisterei Mülheim sich ohne Schwierigkeitenbereit erklärte, die auf 20000 Tlr. berechneten Kosten für die Anlage innerhalb ihresGebietes bereitzustellen. Es kam bald darauf zu einem Vertrage zwischen derGemeinde Mülheim und der Rheinischen Eisenbahngesellschaft, der leider nichtvorliegt. Die Vermessungen begannen im Januar 1844; als Kommissar zur Abschätzungdes Grundeigentums wurde von Mülheim der Taxator Stockfisch zu Broich vor-geschlagen. Am 21. März 1844 teilte der mit der Absteckung der Linie betrauteIngenieur dem Landrat mit, daß diese Linie folgende Orte berühren werde: „Duisburg,Stockfeld, Düssern, Kolksmannshof, Alstaden (Ruhrübergang), Lipperheide, Oberhausen,Feldmark, Lipperheidebaum, Sandgarten, Pausmühlen, Vogelheim, Haus Bergen etc."Eine südlichere Richtung scheint also gar nicht in Frage gekommen zu sein; vielleichttrug die hier zu überwindende Steigung, für die die damaligen ersten Lokomotivenmöglicherweise nicht geeignet waren, die Schuld.
Die erste Eisenbahn, die Mülheim berührte, war die Bergisch-Märkische 1 ),welche 1848 den Betrieb von Elberfeld nach Dortmund eröffnet hatte und 1862 weiternach Duisburg geführt wurde. Dann erst folgte im Jahre 1866 die vorerwähnteRheinische Bahn; endlich 1876 die Ruhrtalbahn Mülheim—Broich—Saarn—Kettwig.Die Eröffnungsdaten dieser und der anderen Strecken sind: a) Styrum—Dortmund am5. Oktober 1862; b) Styrum—Duisburg am 1. Mai 1862; c) Styrum—Ruhrort am4. Dezember 1867; d) Speidorf—Heißen am 1, September 1866; e) Mülheim (Ruhr)—Broich und Styrum—Broich im März 1876; f) Speidorf—Broich am 3. Oktober 1885und g) Styrum—Oberhausen am 16. April 1888.
Verstaatlicht wurde die Cöln-Mindener Bahn am 20. Dezember 1879, dieBergisch-Märkische am 28. März 1882, die Rheinische am 14. Februar 1880 2 ).
Die Wirkung dieser Eröffnung von Eisenbahnen im Kohlenrevier auf dieRuhrschiffahrt sollte sich bald zeigen, wenn auch zunächst ein ziffernmäßigerRückgang der Ruhrtransporte nicht nachzuweisen war 3 ). In den 30er und 40er Jahrenhatte der Verkehr auf der Ruhr denjenigen irgend eines Rheinortes an Zentnerzahlweit übertroffen. Von 1840 bis 1850 wurden durchschnittlich in einem Jahre hier inMülheim 7100 Nachen durchgeschleust, ohne die von Mülheim ab zu Tal gehenden.Seit 1840 hatte aber auch der Versand von anderen Gütern als Kohlen bedeutendzugenommen. So betrug der Transport an Bruchsteinen, Blende (Zinkerz), Eisen-stein, Holz, Roheisen etc. 1852 821 618 Zentner, 1861 sogar 2190872 Zentner neben11635382 Zentner Kohlen. Die durchschnittliche Kohlenabfuhr per Ruhr nach denHäfen von Ruhrort und Duisburg betrug für die Jahre 1863—1866 12 v /8 Millionen Zentner,von da ab jedoch immer weniger. Durch den Anschluß der Zechen ging der Verkehrauf die Eisenbahnen über. Bezüglich dieser Anschlüsse und ihrer Wirkung heißtes bereits in einer Denkschrift von 1850: „Eine Konkurrenz der Kohlenzechen ander Ruhr mit den Kohlenzechen der Cöln-Mindener Eisenbahn in bezug auf denTransport bis zum Rhein ist durch die Ermäßigung und selbst durch die Aufhebungder Ruhrschiffahrtsgefälle für die oberen Zechen nicht zu ermöglichen; vielmehrmuß diese Ermöglichung in der Fesselung der Kohlenpreise von den Gewerkschaften
*) In Mülheim wurden hierfür namhafte Aktienbeträge gezeichnet.
2 ) Über den heutigen Eisenbahnverkehr in Mülheim Beilage XIII.
3 ) Beilage XIV: Ruhrschiffahrtsverkehr in den Jahren 1852—63.
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