Zeche aber verhielt sich ablehnend, „weil die besonders interessierten MülheimerKohlenhändler ihre vorzüglichen Fettkohlen nur zum Mischen und ohnehin auch nurdann holen ließen, wenn der niedrige Wasserstand der Ruhr den Bezug aus derGrafschaft verhinderte". Die Mülheimer aber, die nicht nur an Sälzer - Neuak,sondern auch an den Stinnes-Zechen, an Neuschölerpad und an Kronprinz Interessehatten, betrieben den Plan der Mülheim-Borbecker Aktienstraße mit Vorliebe undsetzten ihn schließlich durch. Doch wurde ihr Zweck durch die späteren Ereignisse,namentlich durch die Seilerbecker Pferdebahn vereitelt. Die Aktienstraße ging nachlangen Verhandlungen mit den Aktionären und der Regierung 1899 in den Besitzder beteiligten Gemeinden über.
Ein Jahr vor der Erbauung der Mülheim-Borbecker Aktienstraße, 1838, ersetztedie Zeche Seilerbeck ihren bisherigen Transportweg zur Ruhr durch eine Pferde-eisenbahn (Schleppbahn mit Lokomotivkonzession), was unter den Kohlenschieberneine große Revolte verursachte, da sie sich hierdurch ausgeschaltet fürchteten. DieBahn war so, daß die Wagen auf Schienen von Pferden gezogen wurden; es bestandein Wagenzug aus 8—10 Wagen mit mehreren Pferden. Noch jetzt ist der Bahn-strang mit seinen Dämmen und Überbrückungen mitten in der Stadt deutlich zuerkennen. Eine ähnliche Bahn bestand seit 1830 von Steele (Essen) ins Wuppertal 1 ),es war dies die erste Eisenbahn (Güterbahn) in Deutschland überhaupt; für Lokomotiv-betrieb eingerichtet, wurde sie zunächst durch Pferde für den Kohlentransport betrieben.1841 stellte Wiesche den Anschluß an die Sellerbecker Bahn her.
Als die Hauptbeteiligten der Aktienstraße den Vorteil der Sellerbecker Bahnerkannt hatten, bemühten sie sich mit anderen Interessenten, diese Bahn nach Essenfortzusetzen, um dadurch die Essener Zechen, namentlich Graf Beust (Stinnes)vorteilhafter an Mülheim anzuschließen und das Kohlengeschäft, welches namentlichseit Eröffnung der Cöln—Mindener Bahn (1847) sich ganz nach den Rheinhäfen inDuisburg und Ruhrort zu ziehen drohte, dort zu erhalten. Die hierzu 1847 erteilteKonzession kam wegen der Ereignisse des folgenden Jahres nicht zur Ausführung,und die seit 1852 wieder aufgenommenen Versuche führten zur Bildung einer Aktien-gesellschaft, welche am 15. Januar 1858 die Essen-Mülheimer Pferdebahn bisZeche Victoria (Mathias Stinnes Zeche) in Betrieb setzte. Wenn sie ihrem Zweckedann doch nicht entsprechen konnte, ihre Ausnutzung sogar fast unmöglich war,so wird das in den Handelskammerberichten 1858 und 1862 zum größten Teil auf diehohen Ruhrschiffahrtsgefälle auf der unteren Ruhr geschoben. Auch war es bereitszu spät, um das Kohlengeschäft im Mülheimer Hafen zu erhalten, und die Gesellschafttrat 1863 die Bahn gern an die Rheinische Eisenbahn alsTeil der dann am 1 .September 1866eröffneten Essen-Osterrother Bahn ab.
Die erste Eisenbahn, die in unserer Gegend gebaut wurde, ist die Cöln-Mindener über Oberhausen; sie wurde 1847 eröffnet. Für Mülheim ist sieinsofern erwähnenswert, als angeblich gegen ihren Ausbau über Mülheim von Seitender Mülheimer protestiert wurde. Ein derartiger Protest wäre ja für die Mülheimer,für die die Ruhrschiffahrt beinahe alles bedeutete, und die sich keine Vorstellungdavon machen konnten oder wollten, daß die Eisenbahn dermaleinst diese Schiff-fahrt sowieso brachlegen würde, leicht verständlich, und er mag auch laut genugerhoben worden sein. Aber aus den Akten der hiesigen Handelskammer ersehenwir, daß diese sofort nach ihrer Errichtung im Frühjahr 1841 bei den zuständigen
l ) Steele—Kupferdreh—Vohwinkel, früher Prinz Wilhelm-Bahn genannt.
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