Druckschrift 
Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
Seite
267
Einzelbild herunterladen
 

Die Ruhrschiffahrtskasse in Werden war 1806 aufgehoben und die Einnahmenzu den allgemeinen Staatskosten geschlagen worden. 1813 wurde der frühere Zustandwiederhergestellt, und in Ruhrort eine Unterhebestelle für die von Mülheim verschifftenKohlen errichtet. Um die von hier abfahrenden Kohlen besser zu kontrollieren,wurde hier 1822 ein Aufseher angestellt, und um diese Kontrolle weiter zu verschärfenund die Unterhebestelle in Ruhrort entbehrlich zu machen, am 11. November 1828die Ruhrschiffahrtskasse von Werden nach Mülheim verlegt. Das Personal des hiesigenKöniglichen Ruhrschiffahrtgefälleamtes (Notweg, alte Post) bestand auseinem Rendanten, einem Kassenkontrolleur, zwei Revisionsbeamten und einem Kassen-diener. Die auswärtigen Kaufleute, die von der oberen Ruhr hier durchschleusten,bedienten sich für den Verkehr mit dem Gefälleamt meistens der Vermittlung desSpediteurs und fürstlichen Schleusenkontrolleurs Stein an der Schleuse 1 ); danebenwar das Bureau des Kalkulators 2 ) und dicht dabei das kleine Häuschen des Schleusen-wärters. Weiter unten hatten die Schiffer im neuerbauten Wirtshause von Bergfried(jetzt Graumann) ihr neues Heim aufgeschlagen. Noch weiter unten hatten dieHändler ihre Kohlenmagazine, von denen die jetzige Lagerstraße ihren Namenhat. Sellerbeck hatte für den Landdebit sein Lager auf dem jetzigen Grundstückder Firma Rudolf Meyer, Aktienstraße, Wiesche ein solches auf dem jetzigen Terrainder Friedrich Wilhelms-Hütte. Weiter stromaufwärts lagen die Zimmerhellen, eineauch ganz unten auf Speldorfer Gebiet.

Gegen die ungleich hohe Tarifierung der Ruhrschiffahrtsabgaben hattensich die Mülheimer aufgelehnt. Am 29. März 1839 wurde ein neuer progessiverTarif festgesetzt mit dem Prinzip, die niedrigen Oberruhr- und die hohen Unterruhrsätzesolange umgekehrt zu erhöhen bezw. zu erniedrigen, bis 1849 für die ganze StreckeWitten—Ruhrort eine gleiche Abgabe von 6 Sgr. pro 16 Ctr. sich ergebe. LetztererSatz wurde im selben Jahre 1849 noch auf 4 Sgr., von 1852 ab auf 2 Sgr. und 1863auf 20 Pfg. ermäßigt. Vom 1. Januar 1868 ab wurden alle Abgaben aufgehoben.

Die alte Schleusen- und Kanalanlage, die baufällig war und nur nochbei höherem Wasserstande benutzt werden konnte, wurde im Jahre 1843/45 vomStaate durch eine neue (die jetzt noch vollständig vorhandene) ersetzt, die 149480 Tlr.kostete, welcher Betrag aus dem Ruhrschiffahrtsfond bestritten wurde. Sie wurde1846 eröffnet, durfte aber nur benutzt werden, wenn der Wasserstand das Durch-schleusen durch die alte Schleuse nicht gestattete. Die Herrschaft Broich bezw. dieNachlaßmasse stand nämlich wegen ihres angeblichen ausschließlichen Schleusenrechtesmit dem Fiskus im Prozeß, und erst nachdem das Gericht zu Gunsten des Staatesentschieden, wurde die alte Schleuse vom Fiskus für 94049 Tlr. angekauft und vomApril 1852 ab ganz außer Dienst gesetzt; 1874 ging sie durch Kauf für 11670Mk.in das Eigentum der Stadt über, die das Terrain für das jetzige Schlachthaus benutzte.

Um dieselbe Zeit wie die neue Schleuse (13. November 1844) wurde auch dieKettenbrücke in Benutzung genommen, da die Fähre den wachsenden Verkehrnicht mehr zu bewältigen vermochte. Und ebenso hatte man bereits mit dem Baueines Sicherheitshafens unterhalb Mülheims begonnen und damit die erforderlichenKohlenniederlage- und Schiffszimmerplätze nebst den Gebäuden für den Ruhr-schiffahrtskontrolleur und Hafenwärter verbunden. Es hatte sich zu dem Zweck der„Mülheimer Hafen-Aktien-Verein" gebildet mit einem Aktienkapital von 60000Tlr.,

x ) Jetzt Willy HammerStein.'-) Jetzt Walter Hammerstein.

267 34*