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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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nach und nach vervollständigte Dampf- oder Feuermaschine in Deutschland eingeführt.Dinnendahl erfaßte schnell diese Neuheit, konstruierte und verbesserte so lange, bis erauf den Zechen das Feld beherrschte. Er war es, der es mit zäher Energie durch-setzte, daß man ihm die Erbauung der Feuermaschinen anvertraute, und die jedesmaligewohlgelungene Ausführung brachte ihm weitere Aufträge und Ehren. Er ist alsder eigentliche Begründer des Dampfmaschinenbaues im Ruhrtale zu betrachten. AuchNapoleon zog Nutzen von der technischen Kunst Dinnendahls. 1808 erhielt Dinnendahlden Auftrag, mittels Feuermaschinenanlage das Wasser, welches die Gründung des Fortsbei Wesel verhinderte, wegzuschaffen, was ihm auch gelang. — Die Wirkung derDampfmaschine, so außerordentlich und gewaltig sie stets bleiben wird, ist heutzutagezu einer alltäglichen Erscheinung geworden. Bei unsern Groß- und Urgroßelternerregte dieses Wunder großes Staunen, und es ist daher erklärlich, welcheAnerkennung einem Manne gezollt wurde, der diese Kraft zuerst in unsererGegend zur Geltung und erfolgreichen Anerkennung brachte.

Franz Dinnendahl, der auch den Betrieb auf Zeche Caroline hierselbst leitete,hatte seine Maschinenfabrik in Essen; in dieser Fabrik war sein Bruder Johanntätig. Sie bezogen die Gußteile ausschließlich von der Sterkrader Hütte (Gute-hoffnungshütte). Als aber die damaligen Besitzer dieser Hütte (Jakobi, Haniel undHuyssen) beschlossen, die Fabrikation der Maschinen selbst zu übernehmen, alsoin Konkurrenz gegen Dinnendahl zu treten, sah sich Franz Dinnendahl veranlaßt,seinerseits eigene Gießereien zu errichten; er tat dies in Gemeinschaft mit seinemBruder Johann in Mülheim a. d. Ruhr und in Huttrop bei Steele.

Auf die erste Ankündigung der Gutehoffnungshütte d. d. Dorsten oder Mülheima. d. Ruhr 1 ) den 22. Juli 1820 folgte drei Tage darauf eine ähnliche von Dinnendahl:„So wie wir seit ungefähr 20 Jahren unsere Dampfmaschinenfabrik unabhängigund mit voller Selbständigkeit betrieben haben, so werden wir dieselbe nunmehrin einem um so vollkommeneren Zustande fortsetzen, da wir eigene Eisen-schmelzen bei Essen a. d. Ruhr, unmittelbar bei der Spillenburg und zu Mülheima. d. Ruhr angelegt und solche so eingerichtet haben, daß wir, statt der ausRasenerzen hiesiger Gegend gegossenen Eisenteile, deren wir uns bisher gleichsamaus Not bedienen mußten, auf unsern eigenen Fabriken aus Eisen von Bergerzenvom Oberrhein und Siegen gegossene Maschinenteile liefern können. Bergwerks-und Fabriken-Besitzern können wir uns demnach um so mehr empfehlen, dawir alle und jede Dampfmaschinenteile, sowie auch zu Cylindergebläsen, Walz-werken etc. von V 4 Pfund bis zu 12—14000 Pfund in einem Gusse, nach jedembeliebigen Modell oder Zeichnung, rein und schön abzugießen und zu liefernim Stande sind. Aber nicht bloß einzelne Maschinenteile nach allen Größenund Formen, sondern auch alle Arten von Maschinen selbst, deren Zweck unsangegeben und deren Construktion uns überlassen wird, werden wir zur vollenZufriedenheit, in sehr billigen Preisen und unter sehr annehmlichen Bedingungenund Zahlungsfristen liefern, es mögen dieselben nun zum Wasserwältigen, Erz-oder Kohlenfördern auf Bergwerken, oder zum Betriebe von Spinnereien, Walz-und Hammerwerken, Mahl-, Öl-, Schneide- oder jeder Art von Mühlen gebrauchtwerden sollen.

Essen und Mülheim a. d. Ruhr, den 25. Juli 1820.

Gebrüder Dinnendahl, Mechaniker."

J ) worauf der Zusatz „oder Mülheim a. d. Ruhr" zurückzuführen ist, konnte nicht ermittelt werden.

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