Duisburger, die ihre Waren aus dem Schiffe per Achse nach hier fuhren, durchgesetztund konnten durch Umladen aus den Rheinschiffen in die Ruhrnachen in Ruhrortmit Duisburg konkurrieren; ja selbst Duisburger und Ruhrorter bedienten sich dieserSchiffahrt. Es luden 1800 „am Schlick" oder bei niedrigem Wasser in Ruhrortdrei Schiffe aus und ein; in Ruhrort lagen immer Kohlennachen, die die Waren billigdie Ruhr hinauf beförderten. Das Unternehmen, für welches sich der Hofrat Müllerhierselbst in Amsterdam verwendet hatte, blieb bestehen, bis durch die gewaltsamenEingriffe Napoleons der Handel mit überseeischen Artikeln, namentlich mit Kolonialwaren,außerordentlich erschwert wurde. Am Ende des 18. und zu Anfang des neuenJahrhunderts drehte sich alles um die Ereignisse im Westen, die zu immer größerenVerwicklungen führten und Handel und Industrie nicht zur Ruhe kommen ließen.
Vor 100 Jahren.
Wir schreiben 1808! Das „Dorf" Mülheim ist zur Stadt erhoben! Der Fremdekann äußerlich keine Änderung wahrnehmen; das hervorragendste Gebäude und diebedeutendste Fabrik ist die im Jahre 1791 gegründete Troost'sche Weberei undSpinnerei zu Louisenthal; die Mühlen am Ruhmbache, an der Kahlenberger- und ander Broicher Schlacht lassen alles beim alten. Es sind ferner vorhanden ein Eisen-hammer und einige, kleinere. Fabriken für Papier, Tabak, Seife, Stärke, Essig, Tuche usw.;das übrige ist Hausindustrie. Der Gerbereibetrieb ist noch in den ersten An-fängen. Der Bergbau liegt sehr darnieder; die Bergwerke, etwa 12 an der Zahl,deren Stollen hin und wieder bis in die Stadt reichen, werden durch keine Maschinen-gebäude und hohen Kamine gekennzeichnet, da Dampfmaschinen noch unbekanntsind. Die Verkehrswege, auf denen sich mühsam die Post- und Transportwagen,die Kaleschen der Kaufleute, die bis nach Frankfurt und Leipzig reisen, bewegen,sind unbefestigt. Die Bergleute, vielleicht 300 im ganzen, wohnen in bescheidenenHütten zumeist in Mellinghofen und Eppinghofen, während die Schiffer, Zimmerleute,Weber, Tabakarbeiter etc. mehr das Innere der Stadt bevölkern. Auf der BroicherSeite liegt die Seifenfabrik von Böninger aus Duisburg. Die Schlösser Broichund Styrum und der große Gebäudekomplex des Klosters Saarn fallen in derUmgegend von Altmülheim in erster Linie ins Auge. Das meiste Leben herrschtan und auf der Ruhr. Direkt vor Mülheim bei den jetzigen Ruhranlagen biegt einWasserarm ein, der als alter Hafen anzusprechen ist; die hierdurch geschaffenelanggestreckte Halbinsel ist der Gänseplatz. Dicht an der Ruhr, auf der MülheimerSeite, liegen die Zimmerhellen und die Kohlenplätze. Die Schiffe, welche den Ruhr-strom beleben, sind meistens Kohlennachen, mit Mast und Segel. Die von deroberen Ruhr kommenden fahren durch den alten Kanal, werden an der alten Schleusedurchgeschleust und schließen sich dann den Mülheimer Schiffen an; die Reise gehtstromabwärts nach Ruhrort, teilweise auch bis nach Holland und an den Oberrhein.Die zu Berg kommenden Schiffe werden von Pferden auf dem Leinpfade gezogen.Den Verkehr von einem Ufer zum andern vermittelt die Fähre (Ponte) 1 ), soweit sienicht durch Hochwasser oder Wassermangel den Betrieb einstellen muß. Bei Hoch-wasser ist der Verkehr ausgeschlossen, etwaige Reisende und Fuhrwerke müssensich oft tagelang gedulden und Quartier nehmen. Bei geringem Wasser hingegen
') Die Fähre, die 1787 von der Herrschaft an Hermann Scholl in Erbpacht gegeben wordenwar, hatte 1796-1805 durchschnittlich jährlich 365 Berg. Taler Pacht eingebracht. 1809 ging siein Scholls Eigentum über, von dem sie 1827 der Schiffbauer Hermann Thielen für 16 653 Taler kaufte.
231