muß der Fährmann zusehen, wie der Wagenverkehr direkt durch das Flußbett geht;er hat den Schaden davon. — Leider haben wir gleich im ersten Jahr der städtischenAera eine furchtbare Wassersnot zu verzeichnen. So viel Vorteile uns die Ruhrjahrhundertelang geboten, so hat sie im Frühjahr 1808 uns auch ihre verderblicheSeite gezeigt. Der Chronist schreibt: Das Frühjahr war sehr kalt, und im Apri]wurde es auf einmahl ganz warm, aller sauerländische Schnee lag noch; nun schmolzderselbe schnell, die Ruhr stieg 24 Fuß höher, wie beym kleinsten Wasser; Felderund Weiden wurden mit Ruhrsand oder Flußkies überschwemmt, und mehrerefruchtbare Felder in wüste Kiesfelder umgeschaffen; mehrere Kohlenmagazine weg-gespühlt und von den Fluthen verschlungen. Ganze Mühlenwerke sah man hinunter-treiben nebst vielen kleinen Häusern und Hütten, welche nahe an der Ruhr gestandenhatten. Das höchste Ruhrwasser hatte man sonst nicht über 12—15 Fuß gekannt.Die ältesten Einwohner konnten sich einer solchen Fluth nicht erinnern, hatten auchvon ihren Vorfahren nie Ähnliches gehört. Freilich lag die Zeit auch weit zurück.Im Jahre 1497, sagt der Chronist, sei ebenfalls eine der größten Überschwemmungengewesen: „De Ruhr dede Schaden groit, — Und brachte mennigen in groite Noit.— Sie war so groit und so flügge, — Sie dref tho Herdike over die Brügge."
Der Handel mit Steinkohlen auf der unteren und oberen Ruhr ist um 1808immer noch größtenteils in den Händen hiesiger Kaufleute; auch der Handel mitKolonialwaren zu Wasser und zu Land ist recht bedeutend. Allwöchentlich stehenan der lutherischen Kirche bei Dierichs zwei Fuhren bereit mit Bestellungen nachRatingen, Kettwig etc. Um den gewonnenen Eindruck von „unserem Mülheim vor100 Jahren" zu vervollständigen, folgen hier die Namen der damaligen Geschäfts-und Kaufleute.
Merkantiles Adressenverzeichnis, dem Alphabet nach geordnet 1 ).
Beckmann H. D., Spezerei-Waaren, Ruhrstraße. Die Familie ist nach Lünenverzogen;
Bögelmann Wilhelm, Industriant in Saarn;
Böninger Gerhard aus Duisburg, holländische Seifenfabrik, Ecke Fähr- undWiesenstraße in Broich, seit 1776. Die Konzession und das Ein-wohnerrecht hatte er von Darmstadt aus am 14. Oktober desselbenJahres erhalten;
Brink Johann Gerhard, Stärkefabrik im alten Hof (der Name Brink istsehr alt);
Coupienne Jean Baptist, Gerbereibesitzer;
Diepenbeck Hermann, Kaufmann;
Diergard, Weinhandel;
von Eicken Gerhard, Mühlenbesitzer Dickswall;
von Eicken Hermann, Spezereiwaren;
von Eicken Johann Wilhelm, Tabak-, Seifenfabrik und Spezereiwaren, inder Delle;
Erdmann Johann Heinrich, Spezereiwaren, Ecke Friedrichstraße und Delle;
Falkenburg Hermann & Co., Weinhandel;
Falkenburg Hermann, Johann Sohn, Kohlenhandel;
Forstmann & Krins, Spezereiwaren, Delle;
Frickenhaus Johann Wilhelm, Spezereiwaren, Speidorf;
*) Zusammengestellt nach mündlichen Überlieferungen mit Hülfe von Ohm, Handbuch für'süroßherzogtum Berg 1809, und Lenzen, Statistik des Herzogtums Berg 1802.
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