Nicht mehr lange sollte sich Mülheim dieses Monopols erfreuen, da seit Mittedes 18. Jahrhunderts eine Schiffbarmachung der ganzen Ruhr immer dringenderverlangt wurde.
Im Jahre 1764 erboten sich zwei Unternehmer, durch Einrichtung einer Schiff-fahrt auf der oberen Ruhr „viel bessere Steinkohlen zu liefern, als die der Mülheimerwären, welche fast nicht brenneten, auch die Kohlen in der Gattung unvermischtzu belassen, wie wirklich die Natur der Kohlen wäre, mithin selbige keineswegsmit schwarzen Steinen und Leykohlen zu vermischen, wie solches notorie von denMülheimern geschehen und dadurch ein unerlaubter Profit von dem armen Publicogemacht werden thäte." Ihre fetten Kohlen überträfen die der Mülheimer beimVerbrauch um ein Drittel. Dazu stiegen die Mülheimer Kohlen dauernd im Preis,seien auch nicht einmal in genügender Menge oder auch nicht rechtzeitig zu bekommen.Außer einer Verbilligung der Kohlen durch die Zufuhr aus dem Märkischen,Essen'schen und Werden'schen hofften sie aber auch eine Ermäßigung des Holzbrandesund des rar werdenden Buchenbauholzes zu bewirken, und ebenso die oberrheinischenund holländischen Waren auf der Ruhr billiger landeinwärts zu transportiren. DasUnternehmen kam nicht zur Ausführung, da die Uferstaaten die Genehmigung dazuversagten. Aber 6 Jahre darauf nahm die klevische Regierung den Plan der Schiff-barmachung von neuem auf, setzte auch die Zustimmung der anderen Staaten durchund übertrug die Ausführung einer Gesellschaft Eisbruch u. Co., die alle Kosten derAnlage übernahm, dafür aber das ausschließliche Recht erhielt, Kohlen auf der Ruhrzu verschiffen. Vergebens hatten die Mülheimer auf den völligen Ruin ihres Handelshingewiesen, wenn den märkischen Kohlen „der bishero ermangelnde Debit geöffnetund durch die neue Schiffahrt auf mehr als zwei Drittel an den Kosten erleichtertwerden sollte." Da sie die Essener Kohlen mit großen Unkosten auf Karren herbei-schaffen müßten, so könnten sie im Preise unmöglich concurriren. Es nutzte allesnichts, die Mülheimer, von denen die clevische Kammer behauptete, sie hätten1000 Dukaten zur Vereitelung der Schiffahrt aufgebracht, mußten sich in das Un-vermeidliche fügen und sich in die neuen Konkurrenzverhältnisse, wenn auchschweren Herzens, einleben.
Nachdem die versandeten Stellen ausgehoben, die Kribben angelegt undder Leinpfad festgesetzt war, begann vom Frühjahr 1772 ab der regelmäßigeKohlentransport auf der oberen Ruhr über Mülheim hinaus. Die Unternehmerbauten 25 Schiffe; aber statt der in Aussicht genommenen Kranen, mittels welcherdie von Schlacht zu Schlacht fahrenden Schiffe umgeladen werden sollten, bedienteman sich quer über die Schlachten gelegter Bretter, auf welchen die Kohlenmit Schiebkarren aus- und eingeladen wurden. In Ruhrort war ein königlichesKohlenmagazin eingerichtet, in das die für Cleve, Mors und Geldern bestimmtenKohlen eingeliefert wurden. Nur durch Vermittlung eines Unternehmers konnteman aus diesem Magazin Kohlen beziehen, nicht direkt.
Kaum war der Kohlentransport im Gange, so mehrten sich schon die Be-strebungen, die Ruhr nun auch für andere Gütertransporte zu benutzen. Und auchdas häufige Umladen an den Schlachten empfand man bald als äußerst lästig; dieKohlen zerfielen, und die Konsumenten, die große Stücke verlangten, waren nichtzu befriedigen. Der Bau von Schleusen an den einzelnen Schlachten und die Frei-gabe der Ruhr für alle Güter erschien unerläßlich. Auf 2 Konferenzen in Mülheima. d. Ruhr im Jahre 1772 und 1773 einigte man sich, wenn auch nicht bedingungs-los, über den Schleusenbau. Im Jahre 1774 wurde die „Allgemeine freie
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