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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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Bis 1806 mußten von jedem Ohm ausgeführten Branntweins 77-2 Stüber entrichtetwerden, dagegen beim Eingang 2 Tlr. Accise.

Von Zünften finden wir im 17. Jahrhundert die Schuhmacher- undSchmiedezunft. Erstere wurde im Jahre 1639, die letztere 1657 gegründet; beidewurden 1770 von der Landgräfin bestätigt 1 ). Sehr früh haben auch die Spinnerund Weber hier ihr Hausgewerbe betrieben. Im Jahre 1659 heißt es 2 ), daß derFlachs nicht im Backofen getrocknet werden dürfe, und 1725 nimmt Gerhard Terstegen,der bei seinem Schwager Kaufmann Brink in Mülheim gelernt hatte und späterLeineweber wurde, einen frommen "Menschen zu sich, um ihn das Bandmachen zulehren. Die Tuchwalkmühlen und der Name der Leineweberstraße können alsweiterer Beweis gelten; auch die Nähe Duisburgs, wo seit dem 15. Jahrhundert dieWeberzunft verbreitet und um 1700 recht bedeutend war, wird die hiesigeGegend beeinflußt haben, ebenso die alte Tuchindustrie in Werden und Kettwig ;! ).Und endlich wird man aus der Gründung von Fabriken dieser Art hierselbst amEnde des 18. Jahrhunderts schließen können, daß dieselben sich auf die Hausindustrieaufgebaut und diese schließlich nach und nach verdrängt haben.

Mit Tabak ist hier sehr früh gehandelt worden; 1714 wurden mehrere Tabak-händler ermittelt. Später wurde dann auch die Fabrikation 4 ) betrieben, zunächst als Haus-gewerbe; 1770 ward die älteste Mülheimer Tabakfabrik von Joh.W.v. Eicken gegründet.

Auch die Mülheimer Erd- und Steinindustrie hat eine naturgemäß weitzurückreichende Geschichte. Der Porzellanerdegerechtigkeit wird Erwähnung getan1655 und in einer Urkunde von 1695. Die Porzellanerde wurde 1731 pachtweise inSpeidorf gewonnen, von wo Becker-Duisburg, Porzellanfabrik in Fayencen, um 1764sein Material bezog. In Saarn bestand wie lange, weiß man nicht einePorzellanfabrik. Die Konzession des Grafen von Leiningen datierte vom 13. Januar 1765an Hermann Vorster und Hermann Kellermann und lautete auf 20 Jahre. Niemandanders durfte Porzellan gewinnen, nur die Herrschaft hatte sich den auswärtigenVerkauf vorbehalten. Der frühere Töpfer- und Pfannenofen zu Speidorf hat immerzur Herrschaft Broich gehört und war in Leibgewinn gegeben, wofür 17961805durchschnittlich 23 Tlr. 21 Sgr. 11 Pfg. eingingen. Auch die Steinbrüche hatte sichdie Herrschaft vorbehalten. Am 12. Dezember 1793 verkaufte die Landgräfin dieverpachteten Steinbrüche des Kassenbergs an ihren Sohn.

Den breitesten Raum nimmt aber seit altersher im Mülheimer Wirtschaftslebender Steinkohlenbergbau, der Kohlenhandel und die Schiffahrt ein.

b) Steinkohlenbergbau.

Der Sage nach sollen die Kohlen im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts inEppinghofen beim Pflügen entdeckt worden sein; daß sie schon im 15. Jahrhundert vonBedeutung waren, geht aus dem Vergleiche zwischen dem Grafen von Limburgund dem Grafen Gumprecht von Neuenahr über die Erbschaft des Grafen Wilhelm I.von Limburg im Jahre 1460 hervor, welcher bestimmt:De Gruyß im KirchspielMülheim sol ein Jeder zur Halbscheid gemessen". Dagegen sind Kohlen indem Burgfrieden von 1446 B ), in dem alle Gerechtigkeiten aufgeführt werden,

!) Vgl. auch oben S. 58 f.

2 ) Akten Fiskus c/a. Nachlaß Broich. Eigentum von Rob. Rheinen.

3 ) In Kettwig wohnte der berühmte Tuchfabrikant Herrn. Wilh. Engels, ein Vorfahre unseresMitbürgers Qust. Engels.

4 ) Averdunk Börtschiffahrt 63: Von Duisburg infolge Besteuerung und Regie vertrieben,wird die Tabakfabrikation z. Zt. des 7jährigen Krieges hier immer mehr aufgekommen sein.

5 ) Vgl. oben S. 36.

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