Bibliothek- und Warte-Zimmer, Schuldienerwohnung u. s. w. sich dem übrigen würdiganschließen. Als Heizungsanlage funktioniert eine Niederdruck-Dampfheizung, ver-bunden mit Ventilationsschächten, zu allgemeiner Zufriedenheit.
Nach dem Statut vom Jahre 1839 ist es die Aufgabe der höheren Mädchen-klasse, „mit sorgfältiger Berücksichtigung der Bestimmung und der Verhältnisse desweiblichen Geschlechtes die wissenschaftliche Ausbildung der Mädchen zu vollenden",und nach den Ausführungen, die Direktor Gallenkamp 1852 bei seinem Amtsantrittim Rathaussaale in der Rede entwickelte, „soll die höhere Töchterschule den Mädcheneinen Grundstock lebendigen Wissens zu eigen machen, der für ihre Weiterbildungin Familie und Leben das Fundament und den Antrieb gibt. Sie soll ihnen Interesseund Sinn für das Höhere, für die die Welt beherrschenden und bewegenden Ideenerschließen, sie soll dahin streben, die Mädchen zu ruhiger Klarheit der Seele, zuReinheit der Stimmung, zu inniger und bewußter Verehrung und Aneignung desSchönen und Edlen zu erziehen". Eine weitere Erklärung über die Aufgaben derhöheren Mädchenschule findet sich in der Geschichte der Anstalt nicht; auch imJahre 1884 bei der Festsetzung des Statutes ist in demselben kein entsprechenderPassus aufgenommen. Dies erklärt sich daraus, daß der hiesigen Anstalt gleich denSchwesteranstalten der Rheinprovinz die in Weimar 1872 unter grosser Begeisterunggefaßten und dem Herrn Minister überreichten Beschlüsse der deutschen Mädchen-schulkonferenz als Norm dienten. Seitdem hat eine Festsetzung der Grundsätze seitensdes Herrn Ministers durch allgemeine Regelung im preußischen Staate stattgefunden(1894), eine weitere wird jetzt folgen, auf die wir am Schluß zurückkommen werden.
Die Schule war von 1838 bis 1851 einklassig und erhielt kurz hintereinandervon 1852—1853 noch 2 weitere Klassen. Von 1862 an war sie 4klassig, die ersteKlasse hatte dabei 2 Abteilungen. Erst 1879 wurde dann eine weitere Klasse zu-gefügt, doch fehlte die jetzige Unterstufe bezw. Vorschule bis dahin vollständig.Die ersten drei Schuljahre mußten entweder durch den Besuch der Volksschule oderder v. Velsen'schen Privatschule ersetzt werden. — Die Vorschulen haben den Zweck,die Schülerinnen besser und für höhere Schulen passender vorzubereiten, als das dieVolksschule kann, welche ganz andere Ziele verfolgt und in der durch die im Industrie-gebiet vorhandene große Frequenz der Klassen schwache Kinder viel leichter zurück-bleiben. Schon 1862 wurde daher ein Antrag auf Errichtung einer gemeinsamenVorschule gestellt, denn in der damals schon bestehenden v. Velsen'schen Schulewurden Kinder im Alter von 6—9 Jahren durch einen Lehrer größtenteils gleich-zeitig unterrichtet. Die Stadtverwaltung lehnte den Antrag ab, aber die Sachehatte doch wenigstens das Gute, daß die v. Velsen'sche Schule von 1864 ab zwei-klassig wurde. Endlich am 1. Mai 1880 gelang es, sie mit gemischten Ge-schlechtern als städtische Lehranstalt in dem alten Lokale an der Wallstraße zuübernehmen. Lehrer Niedergesäß und Lehrerin Menne wirkten an dieser gemein-samen Vorschule 3 Jahre. — Nachdem sich immer mehr das Bedürfnis einer vollständigenTrennung der höheren Knaben- und Mädchenschule herausgestellt hatte, erfolgtedieselbe 1884, wobei auch die städtische Vorschule zur Hälfte beiden Anstalten über-wiesen wurde, so daß die Töchterschule nunmehr 5+2=7 Klassen mit 9 Lehrgängenerhielt, indem die 1. und 6. zweijährig waren. Sie konnte also bei der allgemeinenministeriellen Reorganisation im Jahre 1894 den Ansprüchen, die man an eineöffentliche höhere Mädchenschule stellt, entsprechen, wurde als solche anerkannt,der Rektor zum Direktor ernannt. Die zunehmende Frequenz machte 1898 eineParallelklasse nötig. Die im Jahre 1892 mit 9 Schülerinnen eröffnete Selekta für
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