am 9. März 1894 zur Folge. Die letzte Reifeprüfung am Realgymnasium hatte schonam 27. März 1889, die erste Reifeprüfung am Gymnasium am 10. März 1890 statt-gefunden. Die von Jahr zu Jahr steigende Frequenz erbrachte Ende der achtzigerJahre hohe Etatsüberschüsse, Von denen wiederholt erhebliche Ausgaben für baulicheVerbesserungen und Anschaffungen bestritten werden konnten. Um den immer wiedersich einstellenden Platznöten abzuhelfen, wurde am 29. März 1890 das Besitztum des„Bürgervereins" für 80100 Mk. angekauft und unter Aufwendung weiterer 20000 Mk.für Schulzwecke hergerichtet. Die Anstalt erhielt dadurch endlich den bis dahinfehlenden Festsaal (Aula), der am 12. August 1890 in würdiger Feier seiner Bestimmungübergeben wurde. Im Sommer 1891 wurde eine neue Schwimmanstalt für 18000 Mk-gebaut, nachdem die alte an Altersschwäche eingegangen war. Der Pflege körperlicherBewegung dient auch der im Jahre 1893 gegründete Turnverein; an ihn gliederte sichim Jahre 1898 ein Ruderverein an. Der Direktor sammelte bei Freunden der Anstaltein Kapital von 11000 Mk., wovon ein geräumiges Bootshaus errichtet und 7 Bootebeschafft wurden. Im Jahre 1901 war der Platzmangel wieder so empfindlich geworden,daß die Stadtverordneten am 16. März 1901 beschlossen, das Hauptgebäude derSchule um ein Stockwerk zu erhöhen. Die Schule gewann dadurch einen Zeichen-saal, 3 Klassenzimmer, ein physikalisches Lehrzimmer mit anstoßendem Raum fürdie Apparate und ein Zimmer für naturbeschreibenden Unterricht mit anstoßendemNaturialienkabinett.
Endlich wurde auch Ostern 1900 die Vorschule nach Anstellung eines drittenLehrers staatlich anerkannt und mit der Hauptanstalt organisch verbunden. Daß sieeinem Bedürfnis entsprach, zeigte ihre schnell wachsende Frequenz, die schon imSchuljahre 1901/1902 die Zahl 100 überschritt. Am 7. Juli 1902 hatte die Anstaltdie Freude, die Jubelfeier ihres fünfzigjährigen Bestehens begehen zu können. Dennals Geburtstag unserer Schule gilt der 7. Juli 1852, der Tag, an dem Dr. Gallenkampals ihr erster Direktor in sein Amt eingeführt wurde. Auf Beschluß des Kuratoriumswurde der Gedenktag in einfacher aber würdiger Weise gefeieit. Eine anläßlichdieser Feier unter den ehemaligen Schülern veranstaltete Sammlung ergab einenBetrag von etwa 3000 Mk., aus dem eine Stiftung zur Unterstützung unbemittelterSchüler errichtet wurde. Auch für die Organisation der Schule war das Jahr 1902von einschneidender Bedeutung. Am 9. Dezember 1902 faßten die Herren Stadt-verordneten den einstimmigen Beschluß, das Gymnasium von Ostern 1903 ab in eineLatein-Reformschule nach Frankfurter System umzuwandeln. Die höheren Lehranstaltendieses Systems (Gymnasium und Realschule) beginnen den fremdsprachlichen Unterrichtin der Sexta mit dem Französischen. In der Untertertia folgt mit verstärkter Stunden-zahl das Lateinische, in Untersekunda erst setzt das Griechische (Gymnasium) oderdas Englische (Realgymnasium) ein. So beginnt die zweite und dritte Fremdspracheerst, nachdem in der ersten und zweiten eine sichere Grundlage gewonnen ist,während in den Lateinschulen alten Stils die Schüler in den vier ersten Schuljahrendie Elemente von drei Fremdsprachen sich anzueignen haben. Der Lehrplan derdrei unteren Klassen ist bei den sogenannten Reformschulen genau der einer Real-schule. Ist daher, wie hier in Mülheim, eine Realschule mit der Lateinschule verbunden,so ergibt sich ein gemeinsamer dreiklassiger Unterbau, und erst bei der Versetzungdes Schülers nach Untertertia werden die Eltern vor die Frage gestellt, welcheSchulart ihr Sohn weiter besuchen soll, Realschule oder Lateinschule. Namentlichdiesem in die Augen springenden Vorteil ist es zuzuschreiben, daß die Zahl derLateinschulen Frankfurter Systems sich in den letzten Jahren in überraschender
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