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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
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vermöge. Das Kuratorium der Anstalt glaubte es nicht länger verantworten zukönnen, der Stadt die schwere Last der Unterhaltung der Schule zuzumuten undzugleich alle diejenigen Schüler, welche zu Universitätsstudien überzugehenbeabsichtigten, nach auswärts zu weisen. Nachdem ein Antrag auf Einführungfakultativen griechischen Unterrichtes vom Königlichen Provinzial-Schulkollegium alsunstatthaft zurückgewiesen worden war, wurde der Direktor vom Kuratoriumbeauftragt, über die Möglichkeit der Umwandlung unserer Schule in ein Gymnasiumzu berichten. Ein von ihm ausgearbeitetes Projekt wurde vom Kuratoriumam 10. Oktober 1883 angenommen und fand am 4. Januar 1884 die einstimmigeBilligung der vollzählig versammelten Stadtverordnetenversammlung. Diese Beschlüssewurden durch Ministerialerlaß vom 15. März 1884 genehmigt. Dieselben bestimmtenim wesentlichen folgendes:

1. Das Realgymnasium in Mülheim wird umgewandelt in ein Gymnasium mitRealparallelklassen für Tertia und Sekunda.

2. Diese Umgestaltung wird derart ins Werk gesetzt, daß von Ostern 1884an die Klassen Sexta bis Quarta den Lehrplan des Gymnasiums befolgen, und daßdenjenigen Schülern der bisherigen Quarta, welche im Lateinischen vorbereitet sind,im Falle ihrer sonstigen Reife der Eintritt in die Untertertia Gymnasii zu erlaubenist. Ostern 1886 wird die Sekunda des Gymnasiums, Ostern 1888 die Prima eröffnet.

3. Die Prima des Realgymnasiums ist so lange zu erhalten, daß denjenigenSchülern, die jetzt auf Untertertia Realis sind, die Möglichkeit bleibt, bei regelmäßigerAscension alle Berechtigungen eines Realgymnasiums an der Anstalt zu erwerben.

4. Die bisher mit dem Realgymnasium durch Personalunion verbundene höhereTöchterschule wird mit Ostern 1884 von dieser Verbindung losgelöst und einemeigenen Direktor unterstellt. Die Direktion übernimmt der bisherige dritte Oberlehrerdes Realgymnasiums und Prorektor der höheren Töchterschule. Mit ihm tritt aucheiner der Elementarlehrer ganz zur Töchterschule über.

5. Zur Verstärkung der philologischen Lehrkräfte wird in eine Oberlehrerstelleein Lehrer der alten Sprache berufen.

Damit war die Grundlage zu einer Umwandlung der Schule geschaffen, welche sichin jeder Weise als segensreich erwies. Den besten Beweis dafür bot die rapide wachsendeFrequenz der Anstalt, welche sich schon im Jahre 1885 wieder auf 242 gehoben hatte.

Am 14. und 15. März 1887 fand die Revisionsprüfung der ersten Untersekundades Gymnasiums durch den Provinzialschulrat Dr. Höpfner statt. Beim Schlüsse derPrüfung nahm der Vorsitzende keinen Anstand, den Schülern zu erklären, daß nachdem Ergebnisse der Revision die weit überwiegende Mehrzahl der Prüflinge in dieObersekunda eines jeden preußischen Gymnasiums mit Ehren eintreten könnte. DurchMinisterialreskript vom 26. Mai 1887 wurde die Gymnasialabteilung als Gymnasiumanerkannt. Im folgenden Jahre wurde genehmigt, daß statt der noch vorhandenenbeiden Klassen des Realprogymnasiums (Tertia und Untersekunda) eine lateinlosehöhere Bürgerschule (jetzige Realschule) mit dem Gymnasium verbunden werde, damitdiejenigen Schüler, die nur die wissenschaftliche Reife zum einjährig-freiwilligenMilitärdienst erstreben, dieses Ziel ohne Lateinunterricht erreichen können. Wienotwendig gerade solche Schule hier war, zeigt ihre Entwickelung. Sie hat allmählichan Schülerzahl so zugenommen, daß schon im Schuljahre 190102 ihre Frequenzdie des neunklassigen Gymnasiums überstieg. Die erste Reifeprüfung an der Real-schule fand am 12. und 13. Februar 1894 statt und hatte die Anerkennung der Anstalt

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