Jahres 1856 der Neubau des Hauses beschlossen, welchen die Schule heute nochbewohnt. Der Bau begann im Mai 1857, und nach mancherlei Hindernissen undZögerungen konnte am 18. Oktober 1858 das Erdgeschoß und am 1. Januar 1859die erste Etage dem Gebrauch übergeben werden. Das 118 Fuß lange und 57 Fußbreite Gebäude hat sich als zweckmäßig angelegt bewährt und jahrelang den stetswachsenden Bedürfnissen entsprochen. Die Kosten beliefen sich auf 37399 Taler22 Sgr. 7 Pfg. Noch fehlte eine Turnhalle, so daß die Schule den Turnunterrichtnur fakultativ in einem vom hiesigen Turnvereine gemieteten Turnsaale erteilenlassen konnte und schließlich wegen der damit verbundenen Übelstände einstellenmußte. Im Jahre 1861 wurde auch diesem Mangel durch den Bau einer Turnhalleauf dem zur Verfügung stehenden Teile des Schulplatzes abgeholfen. Das bisherigeRealschulgebäude wurde der Töchterschule überwiesen.
Während die Gesamtanstalt so fröhlich gedieh, erwuchsen ihr wie allen Real-schulen in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre drohende Gefahren von außen.Wichtige Rechte, u. a. die Entlassung der Abiturienten zur Bauakademie, wurdender Realschule entzogen. Die Städte, deren Schöpfung vorzugsweise die Real-schulen sind, nahmen sich der bedrängten Anstalten aufs kräftigste an. In derPresse, in Versammlungen erhob sich ein lebhafter Kampf um die Lebensfrage derRealschulen, und Mülheim stand dabei nicht in letzter Reihe. Durch die unterm6. Oktober 1859 erlassene Unterrichts- und Prüfungsordnung der Realschulen undder höheren Bürgerschulen kam die lebhafte Bewegung zu einem vorläufigen Ab-schluss, indem durch dieselbe einerseits der Realschule ein fester Rechtsbodengegeben, andererseits ihrer Entwickelung bestimmte Zielpunkte angewiesen wurden.Die Realschulen wurden in drei Kategorien geteilt, in Realschulen 1. Ordnung,Realschulen 2. Ordnung und höhere Bürgerschulen. Unsere Anstalt, welche am22. und 23. Juli 1858 durch den Herrn Ministerialrat Wiese eingehend revidiertworden war, befand sich unter denjenigen Anstalten, welche von vornherein alsRealschule 1. Ordnung anerkannt und denen die früher der Realschule entzogenenRechte wieder verliehen wurden. Verbunden hiermit war der Übergang der Anstaltaus dem Ressort der Königlichen Regierung zu Düsseldorf in dasjenige des König-lichen Provinzial-Kollegiums in Koblenz.
Trotz dieser Fortschritte trat gegen Ende der fünfziger Jahre ein Stillstand,ja ein gewisser Rückschritt in den äußeren Verhältnissen der Anstalt ein. DieSchülerzahl, welche im Schuljahre 1857—58 bis auf 205 gestiegen war, sank bisauf 166 im Jahre 1863—64. Die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse derStadt, die Konkurrenz neuer Anstalten in den Nachbarstädten, auch der ausgedehntereLateinbetrieb an der Schule selbst mögen diesen Rückgang verursacht haben.Namentlich war der Besuch der Prima sehr schwach und dementsprechend die Zahlder Abiturienten unbedeutend. In den Jahren 1856—1860 haben nur 3 Entlassungs-prüfungen stattgefunden, denen sich insgesamt 9 Schüler unterzogen, eine not-wendige Folge des leidigen Berechtigungswesens.
Am 28. Dezember 1860 wurde Direktor Gallenkamp zum Direktor derstädtischen (späteren Friedrichs-Werderschen) Gewerbeschule in Berlin erwählt.Am 23. April 1861 legte er sein hiesiges Amt nieder. Von ihm kann mit Fug gesagtwerden, daß der rechte Mann zur rechten Zeit an der rechten Stelle gestanden hat.Sein Nachfolger war Dr. Kern, Professor am herzogi. Gymnasium und Direktor derAlexandrinenschule (höhere Töchterschule) in Koburg.
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