für alle gewerblichen Lehrlinge bis zum 18. Lebensjahre eingeführt. Ausgenommenvom zwangsweisen Besuch waren vorläufig die Fabrikarbeiter, die aber auf Grundeines Ortsstatuts seit Ostern 1906 ebenfalls schulpflichtig geworden sind. Die an-gestellten Lehrer unterrichten im Nebenamt. Der Unterricht ist teils Tages-, teilsAbendunterricht, der aber nicht über 8 Uhr ausgedehnt wird. Sonntagmorgen wirdFachunterricht im Zeichnen erteilt.
Die Kaufmännische Fortbildungsschule, gegründet vom KaufmännischenVerein, wurde eröffnet — und zwar zunächst mit fakultativem (Abend-) Unterrichtein den Sprachen (Englisch und Französisch), Handelslehre, Korrespondenz undBuchführung — im Januar 1897. Schon im folgenden Jahre übernahm auf Antragdes Kaufm. Vereins die hiesige Handelskammer die Verwaltung und das Protektoratüber die Anstalt. Diese Übernahme der Verwaltung seitens der Handelskammer botfür das fernere Bestehen der jungen Anstalt größere Sicherheit und gewährte vonvornherein die begründete Aussicht auf eine gedeihliche Förderung der weiterenEntwicklung der kaufm. Schule. In der Tat hat die hiesige Handelskammer derAnstalt in den verflossenen Jahren ihre Fürsorge in reichem Maße angedeihen lassen.Diese ihre Fürsorge betätigte sie abgesehen davon, daß sie einen Teil der Kostenzur Unterhaltung bestritt, auch darin, daß sie in liberaler Weise die Mittel bewilligtezur Abhaltung eines Kursus zur Ausbildung von Lehrern an kaufm. Schulen, vorallem aber dadurch, daß sie den Erlaß eines Ortsstatuts erwirkte, durch welches derfakultative Abendunterricht zu einem obligatorischen Tagesunterrichte umgewandeltwurde. Obwohl die Mitglieder der Handelskammer sich wohl bewußt waren, daßsie durch diese Umwandlung sich selbst und ihren Standesgenossen eine unbequemeund zuzeiten drückende Last auferlegten, ließen sie sich doch, überzeugt von derdringenden Notwendigkeit einer erweiterten fachmännischen Ausbildung der kaufm.Lehrlinge, bei ihren Entschlüssen nur leiten von dem Gefühle edler Fürsorge fürdas spätere Wohlergehen der heranwachsenden kaufm. Jugend.
Aber auch darauf, daß sich unter der großen Zahl junger Handlungsbeflissenenimmer einzelne schwächere Elemente befinden, haben Leitung und Schulvorstandschon bei der Einrichtung der obligatorischen Schule sofort Rücksicht genommen.Es wurde nämlich für die schwächeren Schüler gleich bei Eröffnung der obligatorischenSchule (Ostern 1902) eine sogenannte Vorstufe eingerichtet, in welcher dieselbenin den Elementarfächern soweit gefördert werden sollten, daß sie imstande wären,im folgenden Jahre an dem Fach-Unterrichte in der Unterstufe der Anstalt mitErfolg teilzunehmen. Diese Einrichtung hat sich in den verflossenen Jahren vollund ganz bewährt.
Im ersten Jahre ihres Bestehens (1902—1903) zählte die obligatorische Schule123 Schüler, die in zwei Klassen (einer Vorstufe und einer Unterstufe) unterrichtetwurden. Die eine (Unterstufe) mußte im Winterhalbjahre wegen größeren Zugangesvon Schülern in zwei Parallelcöten geteilt werden. Es waren, um zweckmäßigereinen allmählichen Aufbau der Schule zu ermöglichen, in diesem Jahre nur die-jenigen kaufm. Lehrlinge zur Teilnahme an dem Unterrichte verpflichtet, welcheam 1. April 1902 das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten.
Im zweiten Schuljahre (1903—1904) wurde die Schule besucht von 167 Schülern,die in einer Vorstufe und einer Unterstufe mit je einer Klasse und einer Mittelstufemit drei Parallelklassen unterrichtet werden mußten.
Im ersten Schuljahre des obligatorischen Unterrichtes wurde für die Fremd-sprachen und die Buchführung der fakultative Unterricht noch beibehalten, und es
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