schulvorstände der Stadt Mülheim a. d. Ruhr" vom 27. Dezember 1905 regeln dieinneren und äußeren Angelegenheiten des gesamten Volksschulwesens.
Der Gesundheitszustand der Volksschule wird verschiedene Male im Jahredurch Schulärzte festgestellt, wobei etwa sich ergebende Mängel durch ärztlicheBehandlung, Operationen, Verschicken in Sool- und andere Bäder, Verabreichungvon Milch etc. zu beseitigen versucht werden. Ebenso walten diese Herren beider Einschulung der Schulrekruten ihres Amtes, indem diejenigen Schüler, derenKörper- oder Geisteszustand zu wünschen übrig läßt, vom Schulbesuch zurück-gestellt werden. Das Entgegenkommen edler Menschenfreunde, sowie die Erträg-nisse eines Bazars haben es ermöglicht, eine ganze Reihe von Jahren während derWintermonate arme Kinder mit Milch und Brötchen zu erquicken. Die Klassen-frequenz ist von Jahr zu Jahr gesunken, und wenn auch noch Klassen mit 60—70Schülern vorhanden sind, so ist doch die Hoffnung wohlbegründet, daß im Laufeder Zeit auch diese Zahlen sich nach unten verbessern werden. Die Lehrmittel-sammlungen der einzelnen Systeme haben dank der bereitwillig zur Verfügunggestellten Mittel eine größere Ausdehnung erfahren, und teils schon fertig angelegte,teils in Aussicht genommene Schulgärten sollen belebend und anregend denUnterricht fördern. Wenn ein Wunsch ausgesprochen werden darf, so ist es der,daß durch Erbauung von Turnhallen es auch dem Volksschüler ermöglicht werde,in den rauhen Wintermonaten, geschützt vor den Unbilden der Witterung, einenOrt zu haben, an dem er die so wichtige turnerische Ausbildung seines Körperspflegen und fortsetzen kann. Es würde in dieser Beziehung schon vieles gewonnensein, wenn sog. Bezirksturnhallen mehreren benachbarten Schulen zur Verfügungständen. Ebenso würde die Anlage von Plätzen zur Pflege von Sport und Spielmit Freuden zu begrüßen sein. Schließlich sei noch lobend der werktätigen Unter-stützunggedacht, die der Knabenhandfertigkeitsunterricht bei den städtischen Behördenund Körperschaften gefunden hat. In allen Teilen unseres Gemeinwesens wird dieseTätigkeit in besonderen Klassen gepflegt. Die Kosten für Unterricht und Materialwerden zum größten Teile durch den städtischen Etat gedeckt. Die Kurse fürstotternde Schulkinder, die für viele mit diesem Gebrechen behaftete Schüler segens-reich wirken, sind ebenfalls eine Veranstaltung, die schon vor vielen Jahren von derStadt ins Leben gerufen und zu immer größerer Vollkommenheit ausgebaut wurde.
Als eine Veranstaltung für Kinder im vorschulpflichtigen Alter sind die hierbestehenden Bewahr- oder Kleinkinderschulen erwähnenswert. Ursprünglichein Privatunternehmen der Witwe Anna Luhr um 1695, baute sich die Anstalt imLaufe des verflossenen Jahrhunderts durch die Bemühungen der ev. Pfarrer Kellerund Stursberg zu drei verschiedenen Schulen aus, die in eigenen Gebäuden in derHagedorn- und Löhstraße, sowie im ev. Vereinshause untergebracht wurden. Augen-blicklich werden die beiden erstgenannten Schulen noch unterhalten; seit einigenJahren trat auch eine katholische Kleinkinderschule hinzu.
Als Einrichtungen für das nachvolksschulpflichtige Alter bleiben endlich nochdie Handwerkerfortbildungsschule und die kaufmännische Fortbildungs-schule zu erwähnen. Die erstere, im Jahre 1852 gegründet und bis heute geleitetvon dem jeweiligen Direktor der höheren Schule, in deren Räumen auch derUnterricht erteilt wird, hat bisher Tausende fortgebildet. Sie erfreut sich vortrefflicherUnterrichtsmittel, sowie allseitigen Wohlwollens der Bürgerschaft, der Meister undder Vertreter technischer und industrieller Werke. Am 12. Oktober 1902 konnte dieSchule auf ein fünfzigjähriges Bestehen zurückblicken. 1903 wurde der Schulzwang
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