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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
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die Unterrichtsräume eingerichtet wurden. Der Unterricht findet an sämtlichen Wochen"tagen in vier aufeinanderfolgenden Stunden statt. An den zurzeit eingerichteten 7- Kursensind je 24 Mädchen beteiligt, die abwechselnd aus den Oberklassen der verschiedenenstädtischen Schulen genommen werden. Der Unterricht wird von zwei geprüftenHaushaltungs- und Handarbeitslehrerinnen erteilt.

Am 22. Januar 1900 beschloß die Stadtverordnetenversammlung auf Vor-schlag der Stadtschulinspektion die versuchsweise Einrichtung einer Hilfsklasse fürschwachbefähigte Kinder, nachdem durch eine Prüfung der von den Schulleitern zurAufnahme in eine Hilfsklasse als geeignet bezeichneten Kinder das Bedürfnis für einesolche Einrichtung erwiesen war. Die Klasse wurde in dem früheren Töchterschul-gebäude untergebracht, und als Lehrer Herr Ingerfurth von der Schule am Rahmen,der die Klasse angegliedert wurde, gewählt. Jetzt hat sich die bewährte Einrichtungzu einem selbstständigen System mit 2 Klassen entwickelt, das in der alten evangelischenSchule in der Eppinghoferstraße provisorisch untergebracht ist.

Auf eine Anregung des Kreisschulinspektors Dr. Heidingsfeld ist zur Hebungder Erfolge des naturgeschichtlichen Unterrichts im Jahre 1902 ein Schulgarten beider Schule am Rahmen eingerichtet worden, in dem das für den Unterricht erforderlicheAnschauungsmaterial gezogen wird.

Am 1. April 1903 waren 102 Lehrstellen vorhanden, welche von 67 evangelischen,23 katholischen Lehrern und einem jüdischen Lehrer, sowie von 2 evangelischen und9 katholischen Lehrerinnen verwaltet wurden. Der Handarbeitsunterricht wurde von14 Lehrerinnen erteilt. 7 Handarbeitslehrerinnen waren vollbeschäftigt und auf Grunddes Lehrerbesoldungsgesetzes, und 2 gleichfalls vollbeschäftigte Handarbeitslehrerinnenzugleich für die Erteilung des Haushaltungsunterrichts angestellt.

Mit der am 1. Januar 1904 erfolgten Eingemeindung der Außenorte Styrum,Broich, Speidorf, Saarn und Holthausen schnellte der Etat des Volksschulwesensgewaltig in die Höhe. Er stieg von Mk. 439906,33 im Jahre 1903 auf Mk. 919797,17im Jahre 1904, wo 46 Schulsysteme mit 224 Klassen vorhanden waren. Auf diefrühere Geschichte der einzelnen Schulsysteme der genannten 1904 eingemeindetenBezirke kann hier nicht näher eingegangen werden.*)

Einen Anhalt zur Beurteilung dessen, was seit der Eingemeindung auf demVolksschulgebiete geleistet ist, bieten folgende Notizen: Zur Zeit, nach dem Standevom 1. November 1907, werden 18002 Schulkinder von 281 Lehrpersonen im StadtkreisMülheim unterrichtet. Auf den Kopf des Schulkindes berechnet erfordern die Volks-schulen gegen 5,50 Mk. im Jahre 1871 und 21,22 Mk. im Jahre 1890 heute einenjährlichen Zuschuß aus der Stadtkasse von 51,62 Mk. Seit der Zeit der Eingemeindunghat die Gesamtschülerzahl um 1843 Kinder zugenommen, hat andererseits die Stadtdie Zahl der Lehrpersonen um 50 Kräfte vermehrt und 38 Klassenräume neu beschafft.Wie schon aus diesen Zahlen zu entnehmen, befindet sich seit der Eingemeindungdas Volksschulwesen unserer Stadt in stetig fortschreitender Entwickelung, die vonder städtischen Verwaltung mit warmem Interesse verfolgt und gefördert wird. Neuegroße, mit allen schulhygienischen Errungenschaften der Neuzeit ausgestattete Systemesind im Entstehen begriffen, wie die 16klassige Schule in Styrum, oder beschlossen,wie die 16 klassige Schule an Stelle der unzulänglichen alten Mellinghofer Schule.Das „Statut für die städtische Schuldeputation und die Lokalschulvorstände der StadtMülheim a. d. Ruhr" vom 5. Dezember 1905, sowie die „Anweisung für die Lokal-

*) Die Nachrichten darüber gehen bis in die letzte Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück, sindaber sehr spärlich. S. Klanke-Richter Seite 356 ff.

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