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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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Schule.

Daß schon in der frühesten Zeit des Bestehens die Gemeinde ihren Lehrerbesaß, haben wir bereits früher gehört. Über Namen, Funktionen, Gehaltund Anstellungsverträge ist uns nichts bekannt. Nach dem geschilderten Vorfallliegt aber die Annahme nahe, daß er schon damals den Rabbiner vertreten, zummindesten gottesdienstliche Funktionen versehen hat. Der erste, dem Namen nachbekannte jüdische Lehrer war Salomon Friedländer von Hamburg, der seit 1819 inMülheim unterrichtete und außer dem Schulgeld von der Gemeinde ein Einkommenvon 120 Rt. bezog. Da er in einzelnen Fächern, besonders im Rechnen, sehrtüchtig war, ließen auch christliche Familien ihren Kindern von ihm Privatunterrichterteilen. Nach seinem Fortgange fand ein häufiger Lehrerwechsel statt, der seineErklärung darin findet, daß die Schule bis zum Jahre 1862 Privatunternehmender Gemeinde war, die unbeschränktes Kündigungsrecht besaß; doch leistete dieStadt von 18191852 jährlich 25 Tl. Zuschuß, welchen sie 1852 auf 95 Tl., 1853auf 135 Tl., 1857 auf 150 und 1859 auf 220 Tl. erhöhte.

Der Lehrer Hertzfeld (185762) führte mehrfach bewegliche Klage überden mangelhaften Zustand des Klassenzimmers in der Synagoge, und schließlichsah sich die Gemeinde genötigt, ein besseres Schullokal ausfindig zu machen. Daihr dies nicht gelang, wandte sie sich mit der Bitte an die Stadt, für einen zumUnterricht geeigneten Raum Sorge zu tragen. Die Stadt kaufte daraufhin 1862 ander Löhstraße ein passendes Haus und übernahm Unterhaltung der jüdischen Schuleund des Lehrers auf den Kommunaletat. Die Gemeinde dagegen bezahlte von jetztab für jedes jüdische Schulkind 4 Sgr. monatlich in die Kommunalkasse. Mülheimhatte eine öffentliche jüdische Schule! Daß es eine der ersten ihrer Art war,beweisen die'zahlreichen, von nah und fern einlaufenden Erkundigungen nach denhiesigen jüdischen Schulverhältnissen, über deren weitere Entwicklung in dem Abschnittüber das Schulwesen die Rede sein wird.

Der jüdische Lehrer, der zugleich den Rabbinatsdienst in der Gemeinde versieht,erteilt an der Dickswallschule einen Teil des Unterrichts und den sämtlichen jüdischenSchülern der Stadt Religionsunterricht in den dafür reservierten Stunden. NachHertzfelds Weggang bekleideten dies Amt Salomon Lebenstein (bis 75) undLehmann Oppenheimer, auf den 1904 Otto Kaiser folgte.

Was das Cantorat der Gemeinde betrifft, so entnehmen wir der^Rechnungdes Vorstehers Moses Levy vom Jahre 1826, daß der Kantor damals ein festes

monatliches Einkommen von -------2 Taler 40 St. bezog. Daneben flössen ihm

natürlich noch zahlreiche Kirchengefälle zu. Jahrzehnte hindurch hat bis ins hoheAlter hinein der Kantor Moses Thalmann in treuester Pflichterfüllung seinesAmtes gewaltet. Als er 1892 starb, trat der Kantor Gutmann Plachschinskyan seine Stelle, der auch heute noch dieses Amt versieht.

Friedhof.Der Friedhof der Gemeinde, den die Juden recht bezeichnendden gutenOrt" nennen, lag, mündlichen Überlieferungen zufolge, in der ältesten Zeit an einemWäldchen in der Nähe der Wetzmühle in Holthausen. Der heutige, an der Grachtgelegene, blickt auf ein Alter von etwa 150 Jahren zurück, was wir aus den nochlesbaren Inschriften einiger Grabsteine ersehen. Das einzige über den älteren Teildes Friedhofes vorliegende Schriftstück besagt, daß er 1867 verschönert und ,'miteinem eisernen Tor versehen wurde. Am 23. August 1876, als nur für wenige

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