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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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und schmal. Dem schmucklosen, schlichten Äußern entspricht das Innere; nachSchließung des Gotteshauses sind heilige Lade, Betpult und siebenarmige Leuchteran die jüdische Gemeinde Velbert übergegangen.

Seit dem Neubau im Jahre 1874 ist die Seelenzahl der jüdischen BevölkerungMülheims so beträchtlich gestiegen (damals 104, jetzt zirka 180 Familien), daß derRaum des Gotteshauses besonders an den hohen Festtagen bei weitem nicht mehrausreichte. Zu diesem Umstände kam die von Jahr zu Jahr deutlicher in dieErscheinung tretende Baufälligkeit des Gebäudes, dessen Mauern bei mangelnderUnterkellerung durch Feuchtigkeit stark gelitten hatten, so daß es sich schon ausGründen der Sicherheit verbot, die Gottesdienste der hohen Festtage darin abzuhalten.Seit Jahren hat man deshalb für diesen Zweck einen geräumigen Saal gemietet.Aber trotzdem wurde das Bedürfnis nach einer neuen Synagoge immer dringlicher,bis endlich am 9. Juni 1901 von Repräsentanz und Vorstand der Gemeinde über-einstimmend der Beschluß gefaßt wurde, ein der Größe der Gemeinde entsprechendes,würdiges Gotteshaus zu errichten. Während man anfangs den Neubau auf demGrundstück der alten Synagoge zu errichten gedachte, beschloß man auf vielseitigenWunsch am 20. November 1904, das Grundstück am Viktoriaplatz zu erwerben, vorallem wegen seiner ruhigeren, freieren Lage und seiner beträchtlicheren Größe.Bezeichnend dafür, wie man den Plan der Ausführung nach und nach erweiterte,ist die Tatsache, daß man in der 1. Sitzung für den Gesamtbau 60000 Mk., später

100000 Mk. bewilligte, bis er schließlich die Höheder Summe von 300000 Mk. erreicht hat, derenVerzinsung und Amortisation aus der Gemeindesteuerbestritten wird.

Am 21. September 1905 wurde nach der Weihe-rede des derzeitigen Predigers der Gemeinde infeierlicher Weise der Grundstein gelegt. Das Gottes-haus, dessen Bau von Professor Joseph Kleesattel ausDüsseldorf entworfen und von ihm in Verbindung mitdem Architekten Franz Hagen von hier geleitet wurde,ist im romanischen Stil gehalten und innen wie außenvon der herrlichsten Wirkung. Es gehört unstreitigzu den schönsten Bauwerken der Stadt.

Am Samstag, den 27. Juli 1907 wurde derletzte Gottesdienst in der alten Synagoge abgehalten. Wie ernst die Empfindungenbeim Scheiden von dieser heiligen Stätte, die mit der Geschichte der Gemeindeund dem Leben jedes Einzelnen unauflöslich verknüpft ist, waren, bewiesen die Tränenund das Schluchzen selbst ergrauter Männer. Am darauf folgenden Freitag, dem2. August, wurde die neue Synagoge vor dem Abendgottesdienste in Anwesenheit derMilitär- und Civilbehörden und der Ortsgeistlichkeit eingeweiht. Rabbiner Dr. Rosenthalaus Köln entzündete die ewige Lampe und hielt die Weiherede. Die Gemeindefeiererreichte ihren Abschluß in einer weltlichen Feier im Kirchholtes'schen Saale amfolgenden Sonntag, bei welchem Anlaß außer den Rednern der Gemeinde auch derOberbürgermeister Dr. Lembke, der Oberst Jung, der Beigeordnete KommerzienratCoupienne, der evangelische Pfarrer Dr. Richter, der katholische Pfarrer Unkel, derTöchterschuldirektor Meyer Ansprachen hielten, deren schöne Worte echter Humanitätallen Hörern unvergeßlich bleiben werden.

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Neue Synagoge

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