Druckschrift 
Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
Seite
172
Einzelbild herunterladen
 

dem Saarner Kloster den Zehnten zahlen mußten. Für den Zehnten als Gegenstanddes Kaufes und Verkaufes sind gleichfalls einige Urkunden erhalten.

Stiftungen für Memorie oder Anniversar erhält das Kloster ebenfalls schon im13. Jahrhundert. 1500 schenkt Joh. Staell, Abt von Hamborn, für ein Marienbild dievaelen ind rynt, die ihm Amt von Heyden von einem swaerten perde schuldig ist. Imgleichen Jahre schenken Peter und Hilken toe Scherffem aus ihrem Gute Scherffem(jetzt Rövermann) eine Erbrente von 10 Gulden „op dat altaer der thein düsendmerteler toe zaern, ind toe dem altaer sal eyn prester seyn, die dat altaer bedeintind sal syn die derde prester in der kerken. Ind die prester sal dan dar toeverbonden seyn, dat die alle wecken duin sal twe mißen, die eyne op den sondach,n die er der hilligen dryvoldicheit, ind die andere miße op den dinsdach in die ersent Annen."

Die Zahl der Saarner Äbtissinnen beträgt nach einem im Pfarrarchiv auf-bewahrten Verzeichnis 30; auch eine Reihe von Klosterschwestern werdengelegentlich in den Akten genannt. Die Hauptbeschäftigung der sogenannten Klausur-schwestern bestand in Gebet und Betrachtung und leichteren Arbeiten, während dieLaienschwestern sogar der Urbarmachung des Bodens sich widmeten. Arme fandenan der Klosterpforte stets Hülfe. Auch die Kunst des Bücherschreibens wurde imSaarner Kloster gepflegt. Wenigstens berichtet ein Schriftsteller des Cistercienser-ordens aus dem 17. Jahrhundert über das Saarner Kloster: „Floruit in hac (aula) sororAgnes, quae genere nobilis sed artificiosa manu erbilior non sine multa admirationeexercitatos scribas vincens libros divinorum officiorum descripsit." Und endlich scheintdie Abtei sich auch des Schulunterrichts angenommen zu haben. Als „Vorsteherinder kath. Schule in Saarn" quittiert die Äbtissin 1755 die Annahme eines Legates von6 Reichstalern 15 Stüber, und 1822 bekundet einmal der 90 jährige Heinr. Heckmann,„er wisse von Hörensagen, daß früher die Schule im Abteigebäude gehalten worden.Seit seinem Gedenken sei jedoch die Schule immer auf ihrem jetzigen Platzegewesen und von der Abtei dort auf Markengrund, welcher ihr zu diesem Behufegeschenkt worden, auferbaut und immer von der Abtei ohne alles Zutun der Gemeindeunterhalten, ebenso auch der Schulmeister von der Abtei besoldet."

Ohne Zweifel hat das Kloster zur Zeit der Blüte viel Gutes gestiftet; dievielen Schenkungen und Stiftungen, die es von nah und fern erhielt, legen davonZeugnis ab. Dafür zeugt auch die kräftige Unterstützung des Klosters von Seitender Grafen von Limburg-Styrum und Broich. Darum empfiehlt auch Herzog Wilhelmvon Jülich-Berg die Niederlassung, die er „umb yrs geistligen adincligen levens"besonders liebe, dem Beistand und Schutz seiner Amtleute. Die erste Blüte desKlosters war jedoch nicht von allzulanger Dauer. Darauf deutet eine Notiz in denAkten: „Haec aula deficiens 1476 reformata est." Im 16. bezw. 17. Jahrhundertwarf die Glaubensspaltung ihre Schatten nach Saarn. Pastor Grothues berichtet ineiner von ihm verfaßten Chronik Saarns von dem Abfall von 6 Nonnen, die zu demGrafen von Broich ihre Zuflucht genommen hätten. Carolus Reineri, Abt von Kamp,sagt in seiner Visitationsurkunde vom Jahre 1619: „Invenimus monasterii statum inspiritualibus et temporalibus supra modum esse collapsum". Nach Abgang derÄbtissin Margaretha von Holtrop reformiert er das Kloster, ermahnt zur Beobachtungder Ordensregeln und befiehlt, daß die Visitationsurkunde jährlich 4 mal in derLandessprache vor dem versammelten Convent vorgelesen werden solle. Der Geistder Neuerung scheint jedoch noch seine Nachwirkungen gehabt zu haben, denndie Nachfolgerin Anna von Deutz wurde ebenfalls abgesetzt. Nach Bestätigung

172