Kirche in ihrer heutigen äußeren Gestalt vollendet war, wurde sie am 24. Juni 1872durch den Erzbischof Dr. Paulus Melchers von Köln feierlich konsekriert. Eine neueOrgel war schon 1858 von Orgelbauer Sonreck geliefert und aufgestellt, und dieKirche 1860 mit Leuchtgas versehen. Der von Pfarrer Wolff gegründete „GeselligeBauverein" sammelte reiche Mittel für die innere Verschönerung der Kirche. Zwarein Monumental- und Prachtbau ist die Kirche nicht geworden, jedoch ein würdigesGotteshaus, dessen Zustandekommen Pfarrer und Gemeinde im höchsten Maße ehrt.
Mehr noch wie die Stadt Mülheim bedurfte ein anderer Bezirk der großenGemeinde der seelsorglichen Pflege, nämlich Styrum, das infolge des Baues derKöln-Mindener Bahn und der Errichtung großer gewerblicher Anlagen außerordentlichan Bevölkerung zunahm. Eine Menge Arbeiter und Beamte, größtenteils auskatholischen Gegenden herbeigezogen, schafften in bezug auf Schule und kirchlicheVersorgungBedürfnisse, welche schnellstens befriedigt werden mußten. Am 9. Okt. 1859errichtete daher Pfarrer Wolff im „Styrum'schen Busch" die erste katholische Schuleund legte am 3. Juni 1862 den Grundstein zu einem bescheidenen Notkirchlein inSteinfachwerk, welches schon am 23. Oktober desselben Jahres dem Gottesdiensteübergeben werden konnte. Durch bedeutende persönliche Opfer sicherte PfarrerWolff auch die Anstellung eines besonderen Geistlichen für Styrum. Zum ersten Seel-sorger in Styrum wurde Kaplan Pomp im Jahre 1862 ernannt. In den Jahren 1872—74errichtete die Filiale Styrum an Stelle der Notkirche die schöne St. Josephskirche.
Entsprechend dem ganzen Grundzuge seines Charakters hatte Pfarrer Wolffam tiefsten in sein Herz geschlossen die Waisen und Kranken, denen er seinegroße Liebe zuwandte. Infolge der Anregung des St. Vincenz -Vereins erbaute er1856—1858 das Waisenhaus am Muhrenkamp, zu dessen Leitung er im Jahre 1864die barmherzigen Schwestern von der hl. Elisabeth aus dem Mutterkloster zu Essenberief. Auch das katholische Krankenhaus in Styrum verdankt seine Entstehung seinerInitiative. Als Filiale des katholischen Krankenhauses zu Essen ist es zwar nichtEigentum der Gemeinde, jedoch auf dem Grund und Boden der Kirchengemeinde errichtet.
Nachdem Pfarrer Wolff so in großartiger Weise gesorgt, beschäftigte ihn nochder Gedanke der Errichtung eines Krankenhauses in der Stadt Mülheim, denauszuführen ihm leider nicht mehr vergönnt war. Jedoch benutzte er jede Gelegenheit,für diesen Zweck einen Fonds zu sammeln und war nicht wenig erfreut, als ihmzu seinem 25 jährigen Pfarrjubiläum die Gemeinde mit einer Summe von 5000 Talernbeschenkte, welche für das Krankenhaus bestimmt war. Auch seine Mutter gabfür das Krankenhaus eine größere Summe her, und er selbst ließ sich an Opferwilligkeitfür diesen Zweck nicht übertreffen.
Bei all diesen Arbeiten wußte Pfarrer Wolff sich noch Mußestunden zu ersparen,welche er wissenschaftlichen, besonders lokalgeschichtlichen Forschungen widmete.Seine Verdienste wurden von seinem Könige durch Verleihung des roten Adlerordensanerkannt. Er starb 1876. Die ganze Stadt, Katholiken und Andersgläubige, trauertean seinem Sarge, und ein ungeheurer Leichenzug begleitete ihn auf dem Gange zurletzten Ruhestätte.
Infolge des Kulturkampfes blieb die Pfarre Mülheim nach dem Tode desPfarrers Wolff unbesetzt. Die Pfarrverwaltung übernahm der 1. Kaplan HubertEmanuel Baurs, der im Sinne und Geiste seines Vorgängers und mit Unterstützungseines Confraters Hetzer die überaus schwere Bürde mit heiligem Seeleneifer trug.Mit Klugheit und Geschick zu Werke gehend, waren Geistliche und Gemeinde eifrigbemüht, die Pfarre in den schweren Zeiten zu schützen und zu bewahren. Eine
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